Gutachten bei psychischen Krankheiten - Begleitung

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Ob und wie bei einem Gutachtertermin eine Begleitung anwesend sein darf, da streiten sich oft die Behörden, Verbände etc. Für viele noch unvorstellbar, für andere eine absolute Notwendigkeit.

Ich selbst habe hier von Sozialverbänden noch eine Absage erteilt bekommen, obwohl ich aus Erfahrungsberichten anderer wusste, dass dies grundsätzlich möglich ist.

Inzwischen habe ich mich schlau gemacht:

Nach Auffassung der Landesärztekammer Westfalen-Lippe sollen Gutachter/innen einen Beistand in der Begutachtungssituation zulassen, wenn dies gewünscht wird, sofern nicht triftige Gründe (Verfälschung oder Beeinträchtigung der Ergebnisfindung) dagegen sprechen (s. a. § 13 Abs. 4 SGB X, Zehntes Buch Sozialgesetzbuch - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz). Sprechen Sie also den Gutachter/die Gutachterin vorher darauf an, wenn Sie eine Vertrauensperson mitbringen möchten. Sofern hiergegen Bedenken geltend gemacht werden, lassen Sie sich das ruhig erläutern und erklären Sie auch Ihre Bedürfnisse - vielleicht lässt sich doch noch eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung finden.

Kurz zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Ich selbst habe erlebt, dass Gutachter oft für eine Weile mit der/dem Patientin/en selbst reden wollen, dass sie jedoch dann - oft leider nur nach sehr eindringlichem Bitten - die Begleitung wieder dazu holen. Gutachter, die bereits in Vorfeld die Begleitung während des Untersuchungtermins grundsätzlich ablehnen, würde ich persönlich aus der Auswahl streichen.

4 Kommentare

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Ich habe noch einmal mit einer Sozialarbeiterin über das Thema gesprochen.

Es ist de facto so, dass "eigentlich" eine Begleitung dabei sein darf, viele Gutachter dies jedoch immer noch ablehnen. Daher riet sie mir, zumindest nachzufragen, aber bei einer Ablehnung von seiten des/der Gutachters/-in nicht unbedingt darauf zu bestehen - da der/die Gutachter/in dann wiederum doch "am längeren Hebel" sitzt, und mir dann im Gutachten selbst das wiederum "heimzahlen" könnte...

Tipp: In der Regel dürfen Sie ja unter drei Gutachtern auswählen, rufen Sie vorher an und fragen nach. Dann haben Sie die gute Chance, auf eine/n zu treffen, der eine Begleitung erlaubt, wenn dies von ihnen erwünscht ist.

Siehe hierzu auch:
http://www.sozialblog.de/blog/2008/01/gutachten-bei-psychischen-kran.html

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Hi,

ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es den meisten Gutachtern lieber ist, wenn die Begleitperson nicht mit ins Behandlungszimmer kommt. D.h. man/frau muss schon sehr mutig sein, um vor dem Gutachter darauf zu bestehen.

Ich ging bei meinen bisherigen Gutachterterminen meist den Kompromiss ein, erst einmal ohne Begleitung mitzukommen, jedoch die Option zu haben, sie dazu zu bitten, wenn es "brennt". Inwieweit diese Option dann wirklich bereitwillig eingegangen wird, ist dann wiederum Sache des Gutachters. Da habe ich bisher wirklich sehr unterschiedliche Menschentypen kennen gelernt - von verständnisvollem Fachmann über Protokollschreiber bis hin zu einem Schreibtischtäter, dem es anscheinend Spaß machte, mich mit seinen Fragen zu quälen. Daher: Begleitung auf jeden Fall mitnehmen; manchmal ist es ganz gut, Zeugen zu haben.

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Inzwischen hat der VdK auf seiner Website eine differenziertere Sichtweise veröffentlicht zu dem Thema "Angehörige bei Ärzten bzw. Gutachtern".

Dort wird u.a. erklärt, dass während einer „normalen“ Untersuchung immer der Patient als Kunde des Arztes entscheidet, ob eine Begleitperson mitkommen soll.

Bei einer offiziellen Begutachtung hingegen ist das Gericht oder eine Behörde der Auftraggeber. Hier hat der Gutachter bzw. sachverständige Arzt die Entscheidungsbefugnis – unter Umständen darf er auch gegen den Willen des Patienten handeln. Die Frage, die sich der begutachtende Arzt letztlich stellen muss, ist folgende: "Was ist für die Begutachtung nützlich und was schädlich?"

Bisherige Gerichtsurteile behandeln nur Einzelfälle, die nicht verallgemeinert werden können. Daher fehlt immer noch eine allgemeingültige Rechtsgrundlage, auf die sich alle Beteiligten berufen könnten.

Damit sind diese Urteile, auf die sich bisher viele Betroffene und Fachleute beziehen, wenn es um eine Begleitperson beim Gutachtertermin geht, leider nicht wegweisend. In einem Streitfall müsse die Situation immer individuell und detailliert betrachtet werden.

Ganz wichtig für die zu Begutachtenden: Auch das Handy zählt als Begleitperson, d.h. während der Begutachtung darf nicht telefoniert werden.

Weitere Informationen und Quelle:

VdK Rheinland-Pfalz: Ist Begleiter bei Arztbesuch erlaubt?.

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Hier noch der Querverweis zum heutigen Beitrag in diesem Blog: Darf eine Begleitperson mit zum Gutachtertermin?.