Gutachten bei psychischen Krankheiten - Gutachterauswahl

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Gutachtertermine beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder auch der Rentenversicherung sind grundsätzlich eine emotional stressige Situation. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind diese Termine teilweise noch schlechter zu ertragen.

Daher ein Hinweis auf die letzten Rechtsprechungen, inwieweit man/frau sich selbst ein wenig schützen kann:

1.)

In vielen Fällen darf die/der Betroffene vom entsprechenden Sozialleistungsträger (z. B. Krankenkasse, Rentenversicherung) zwischen drei vorgeschlagenen Gutachter/innen auswählen. Darauf sollte auf jeden Fall bestanden werden (§ 14 SGB IX, Sozialgesetzbuch - Neuntes Buch - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen).
Ein Tipp: Besprechen Sie mit Ihren Ärzten/ Therapeuten, inwieweit sie die einzelen Ärzte/Gutachter bereits kennen bzwe. welche Erfahrungen sie bereits mit diesen gemacht haben.

2.)
Inzwischen ist die Rechtslage so, dass
a) Betroffene beantragen können, dass eine andere/ein anderer Gutachter/in herangezogen wird.
b) Frauen sollten auch eine Gutachterin wählen oder vorschlagen können (§§ 1, 9 SGB IX), wenn die Auswahl nur aus männlichen Gutachtern besteht. 

Dem Vorschlag kann die Behörde folgen, wenn keine sachlichen Gründe dagegen sprechen. Sie können also, wenn Sie mit dem Vorschlag des Sozialleistungsträgers nicht einverstanden sind, selbst z. B. eine Gutachterin vorschlagen.


2 Kommentare

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Sinnvoll ist auf jeden Fall, sich auch bei entsprechenden Selbsthilfegruppen, Verbänden etc. zu erkundigen, welche Gutachter in der Region überhaupt Erfahrung mit den zu begutachtenden Krankheiten haben.

Oft ist es nämlich der Fall, dass man/frau zu Gutachtern geschickt werden, die mit dem entsprechenden Krankheitsbild so gut wie garnichts zu tun haben (z.B. ein Neurologe, der Rheuma untersucht; oder ein Gynäkologe, der eine Traumafolgestörung begutachten soll...). Hier ist es dann immerhin noch möglich, darauf hinzuweisen, und erfahrenere Gutachteradressen anzugeben (siehe 2.). Geht die Behörde jedoch nicht auf Ihren Einwand ein, müssen Sie aufgrund der Mitwirkungspflicht trotzdem zu dem Termin gehen.

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Ein Tipp:

Mir half letztens, dass die Rentenversicherung vorab noch Atteste und Einschätzungen von meinen behandelnden Ärzten haben wollten. Diese schrieben u.a. hinein, dass bei einem eventuellen Gutachtertermin der Gutachter unbedingt Kenntnisse auf dem betreffenden Krankheitsgebiet haben sollte (ist leider oft nicht der Fall).

Das hat gewirkt bzw. die Rentenversicherung hat entsprechend reagiert. Ich war in diesem Jahr bei einem Gutachter, der sich bis in die Tiefe mit dem Krankheitsbild auskannte und dementsprechte handelte. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar!

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