Psychosomatisch - Was heißt das eigentlich?

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Immer wieder haben Patienten die Befürchtung, als "Psycho" abgestempelt zu werden, wenn Ihnen geraten wird, eine psychosomatische Reha zu beantragen.

Daher kurz zum Begriff "psychosomatisch":

Sie werden von Ihrem Arzt nicht als Hypochonder verurteilt, wenn er Ihnen dazu rät. Genauso wenig sollten Sie davon ausgehen, dass er Sie als "verrückt" ansieht, wenn Sie Schmerzen haben, die jedoch labortechnisch oder auf dem Röntgenschirm nicht nachweisbar sind - und er diese Schmerzen als "psychosomatisch" bezeichnet.

Er erkennt nur eine Tatsache an, die inzwischen bewiesen ist: Anhaltende seelische Belastungen können früher oder später zu körperlichen Reaktionen und Beschwerden führen.
Werden diese psychischen Ursachen jedoch nicht früh genug erkannt und nur die "oberflächlichen" Symptome (zum Beispiel schmerzhafte Verspannungen, Magen- oder Kopfschmerzen, Schwindel, Asthma) behandelt, hat die - eben auf die körperlichen Symptome begrenzte - Behandlung keinen oder sehr nur kurzfristigen Erfolg. Meist kommen die Beschwerden wieder, werden stärker, chronifizieren sich, und belasten zuletzt das gesamte Leben sowie die Familie und den Arbeitsplatz.

Die immer wiederkehrenden körperlichen Symptome wiederum erzeugen negative psychische Reaktionen. Jeder kennt dies sicherlich, wenn er Schmerzen hat - gute Laune kommt dabei selten auf. Depressionen, Unlust, Erschöpfung etc. sind die Folge. Und diese verstärken dann wieder die körperlichen Symptome. Es kommt zu einem Teufelskreis.

Und eben hier setzt die psychosomatisch ausgerichtete Medizin an: Der Patient wird als ganzer Mensch mit Leib und Seele gesehen. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass körperliches Leiden durch seelische Faktoren bedingt oder mit bedingt wird. Umgekehrt ist auch bewiesen, dass seelisches Leiden durch eine schwere körperlichen Erkrankung wie z.B. Krebs entstehen kann. Hier kommt z.B. die Psycho-Onkologie ins Spiel. 

Bei der psychosomatischen Behandlung werden somit Körper und Seele behandelt. Z.B. wird mit Ihnen gemeinsam nach den Zusammenhängen zwischen seelischen und körperlichen Leiden gesucht, um den Teufelskreis durchbrechen zu können. Auch werden Faktoren gesucht, mit denen Sie z.B. Ihren Schmerz besser bewältigen können. Seien Sie offen - Sie können dadurch wieder viel Lebensqualität gewinnen, die Sie schon verloren glaubten.

Wer Ihnen helfen kann? Bei der Behandlung von psychosomatischen Symptomen, Beschwerden und/oder Schmerzen kann z.B. ein Haus- oder Facharzt mit einer psychosomatischen Zusatzausbildung, ein Psychotherapeut oder eine psychosomatische Reha-Einrichtung bzw. Schmerzklinik helfen. Meist haben sich die Ärzte und Einrichtungen auf einzelne Beschwerden bzw. Segmente spezialisiert. Deswegen ist es sinnvoll, sich vorab gut über die konkreten Indikationen in den einzelnen Einrichtungen und Praxen zu informieren, um auch die passende Behandlung zu erhalten. Bei der Suche kann Ihnen sicherlich auch Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Krankenkasse weiterhelfen.

5 Kommentare

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Hey,

ein Zusatz-Tipp für diejenigen, die auf der Suche nach einer geeigneten psychosomatischen Klinik sind:

http://www.sozialblog.de/blog/2009/07/interessante-website-wwwklinik.html

und

http://www.sozialblog.de/blog/2008/06/internetportal-weisse-liste-un.html

Nehmen Sie sich die Zeit, um eine für Sie geeignete Klinik zu finden. Es muss passen! Davon hängt ein großer Teil des Behandlungserfolg ab!

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bei meinem Mann war und ist es so schlimm das er inzwischen in eine schwere Depression gefallen ist.Wochenlang hat er mit mir kaum geredet,irgentwann habe ich ihn dann drauf angesprochen das er doch bitte mit mir reden soll und mich nicht mehr nur beleidigen soll,seine antwort wenn ich damit nicht klar komm dann geh und schließlich hat er sich von mir getrennt. Es ist wirklich ein Teufelskreis.Ich komm mit der Trennung nicht klar,ich liebe ihn doch,aber ich kann nicht helfen.

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Hallo Tamme,

es tut mir sehr Leid, zu lesen, wie es bei Euch gerade steht.

Wichtig finde ich, dass Du in diesem Prozess jedoch auch für Dich sorgst - und Dich z.B. für eine Therapie oder eine Selbsthilfegruppe für Angehörige entscheidest. Dort kannst Du für Dich schauen, was Du brauchst, auch etwas verstehen lernen und die für Dich notwendigen Schritte tun. Dein Mann muss für sich selbst sorgen, Du kannst ihn nur immer wieder motivieren, sich Hilfe und Unterstützung zu holen...

Ich drücke Dir und Euch die Daumen!

Viele Gruesse, Fee

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hallo fee, im großen und ganzen hast du schon recht.es gibt da aber noch unseren sohn (dadurch hab ich genug ablenkung)der fragt fast jeden tag nach seinen papa;er kommt in die schule 2011.soll ich sagen das papa krank ist und er uns deshalb verlassen hat.manchmal denk ich mein mann hat das alles nur gespielt um uns zu verlassen,motivieren kann ich ihn nicht mehr, sein telefon,,kein anschluß unter dieser nummer wie auch immer,weh tut es trotzdem

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Hi,

ich ahne, dass es weh tut und dass es schlimm ist. Aber genau deswegen gibt es ja die Möglichkeit als Angehörige, eine Therapie zu machen oder in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Und ja, frau kann ihrem Kind Dinge erklären - es gibt inzwischen sogar Bücher für Kinder über diese Themen. Dafür musst Du jedoch erst einmal für Dich sorgen, und einen Umgang damit finden - um dann Deinem Sohn das eine oder andere erklären zu können oder wenigstens zu versuchen...

Es klingt hart, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Mann "gespielt" hat - ansonsten wärst Du ja auch nicht in diesem Blog gelandet, oder?

Pass' gut auf Dich auf, Fee