Virtuelle Selbsthilfeforen und - gruppen; Teil 1

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Von Selbsthilfegruppen hat sicher jede/r einmal gehört. Bei vielen Krankheiten und/oder Störungen rät einem der Arzt und/oder Therapeut auch zu einer solchen.

Gleichzeitig gibt es jedoch (vor allem anfangs) bei vielen eine große Angst:
"Ich möchte anonym bleiben", "Ich habe Angst, dass mich jemand in der Stadt erkennt", "Wenn mich da jemand sieht"...

Das Bedürfnis nach echtem Austausch von Informationen, Tipps etc. bleibt.

Und hier gibt es -  dem Internet sei Dank - Alternativen: 

Selbsthilfeforen zu vielen Krankheiten werden oft von Betroffenen oder Initiativen gegründet. Eine Suche über www.google.de hilft Ihnen da in der Regel weiter. Geben Sie "Selbsthilfeforum" und das Stichwort Ihrer Krankheit ein, und klicken Sie sich durch. Lesen Sie sich ein, um herauszufinden, welches "Klima" Ihnen am ehesten liegt. Lassen Sie sich Zeit, bis Sie selbst schreiben, fragen, Tipps geben wollen. Sie haben die Freiheit, wie viel Sie schreiben und von sich preisgeben. Auf jeden Fall kann ein solch virtuelles Forum jedoch ein sicherer Hafen sein, der Sie kompetent in Ihrer Krankheit begleitet und Ihnen in schwierigen Situationen zur Seite steht.

Ich habe mich mal in meinem Bekanntenkreis umgehört. Vor allem habe ich bei Freunden nachgefragt, von denen ich wusste, dass sie erkrankt waren bzw. sind.

Anbei einige Beispiele von Selbsthilfeforen, die ich genannt bekam:

MS-Kranke finden zum Beispiel unter www.ms-lebensbaum.de Erklärungen zur Krankheit und wichtige ärztliche Tipps. So herzlich, wie die Site ausgebaut wurde, und gestaltet ist, kann ich mir auch vorstellen, dass diese für manche zu einer virtuellen Heimat wird. Dies trifft auch auf www.fibromyalgie-treffpunkt.de zu. In letzterem steht auch ein "Doc" mit Rat und Tat zur Seite. Bei beiden wiederum finden Sie Informationen zu fast jedem Thema, das Erkrankte betrifft - sei es zu dem Thema Hilfsmittel, Medikamente, Schwerbehinderung oder gar Berentung.

Eine Website, die Schmerzkranken neben einem Forum eine Vielfalt an Informationen und Unterstützung bietet, ist die Site http://www.forum-schmerz.de, dem Informationsangebot der Sektion Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK). Hinweise auf bundesweite Veranstaltungen, Broschüren zum Download finden Sie hier ebenso wie Kontaktadressen von behandelnden Ärzten bzw. Kliniken. Zudem wird einmal monatlich eine Hotline für Schmerzkranke angeboten.  

Von Kopfschmerz Geplagte finden wiederum z.B. auf www.treffpunkt-kopfschmerz.de ein Forum, das wie die meisten virtuellen Foren auch schon Treffen im realen Leben organisierte. Darüberhinaus finden Sie auf derselben Site einen Infopool zu den gängigsten Kopfschmerzarten, Behandlungsmethoden, Wechselwirkungen etc. Einen tollen Service bietet der Download-Bereich, wo Sie u.a. Kopfschmerzkalender oder Formulare für Ihre Arztbesuche herunterladen und nutzen können. 

Auf der Site www.depression-diskussion.de können psychisch Erkrankte Informationen über die Krankheit Depression finden, sich austauschen und gegenseitig unterstützen. Informationen über Krisendienste in akuten Notlagen finden Sie dort ebenso wie Geschützte Teilforen zu speziellen Themen. Lobenswert ist ein separater Bereich, in dem ein Fachmann mit Rat und Tat bei den sozialrechtlichen Fragen zur Seite steht: Arbeitsplatz, Reha und Rente. Jedoch findet der "ganz normale Alltag" in diesem Forum auch seinen Platz: Klönschnack darf sein.    

Manche Selbsthilfeforen gehen noch einen Schritt weiter.

So z.B. www.hungrig-online.de, eine Site, die sich im Laufe der letzten Jahre zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen mit Esstörungen entwickelt hat - und die zudem Informationen für Angehörige, Lehrer etc. zur Verfügung stellt.

 Oder  www.suchtundselbsthilfe.de, ein eingetragener Verein, der gegründet wurde, um Menschen mit Suchtproblemen oder sonstigen psychischen Erkrankungen zu unterstützen.

Auf beiden Webseiten finden Sie neben den inzwischen weit ausgebauten Foren mit teils offenen und teils geschlossenen Themeninseln weiterhin angeleitete virtuelle Selbsthilfegruppen, die selbstverständlich nur für die angemeldeten Teilnehmer zugänglich sind. Ein Angebot, das weit über die Forenhilfen hinausgeht - und sicherlich einen wichtigen Bestandteil einer ambulanten Therapie bilden kann.  

Viele weitere empfehlenswerte und hilfreiche Foren finden sich inzwischen im Web. Sicherlich werde ich demnächst weitere Beispiele nennen. Warum ich es so wichtig finde?  

Ich bin sicher, dass die Foren vielen Menschen eine wertvolle Hilfe bieten, um gesund zu werden bzw. zu lernen, mit Ihrer Krankheit zu leben. Und nicht zuletzt: Echte, reale Freundschaften können entstehen. Gleichzeitig unterstützen sie die Menschen im Umgang mit der Außenwelt: Die Erkrankten können - auf Basis der Informationen und nicht zuletzt aufgrund einer bisher unbekannten Rückendeckung - Ihren Angehörigen, Ärzten, Kliniken und Behörden als mündige Patienten und Ansprechpartner entgegentreten. Zumindest habe ich es selbst so erlebt.







1 Kommentare

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Hi,

auch die Krankenkassen geben inzwischen mehr Geld für die Selbsthilfegruppen aus und unterstützen damit mehr meist private Initiativen: Die gesetzliche Krankenversicherung gibt im laufenden Jahr mehr Geld für die Selbsthilfegruppen chronisch kranker Menschen aus.

Rund 42 Millionen Euro sollen laut der Aerztezeitung 2013 an einen Teil der Selbsthilfe-Gruppen fließen. Der Zugang zu Fördermitteln soll dabei niedrigschwellig bleiben.