Urteil: Krankentagegeld muss bei zielführender Behandlung bezahlt werden - auch wenn der behandelnde Arzt nicht alle Informationen preisgibt

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Ein neues Urteil des Oberlandesgericht Koblenz (OLG) macht es klar: Private Krankenversicherungen müssen ein Krankentagegeld bei zielführender Behandlung bezahlen, unabhängig davon, ob der Versicherte ambulant oder stationär behandelt wird.

Siehe hierzu auch: Az.: 10 U 686/09

Hintergrund:
Ein Bankkaufmann war wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig. Ein von dem Unternehmen beauftragter Gutachter bescheinigte, dass der Versicherte bisher leitliniengerecht versorgt wurde, empfahl aber die Weiterbehandlung in einer Klinik. Der Versicherer forderte daraufhin bei dem behandelnden Psychiater und Neurologen eine detaillierte Behandlungsdokumentation an, die dieser jedoch verweigerte.

Daraufhin stellte der Private Versicherer die Zahlung des Krankentagegelds ein, wogegen der Versicherte klagte. Das OLG verurteilte den Versicherer nun zur Zahlung des Krankentagegelds für die volle Dauer der Arbeitsunfähigkeit.

Begründung des Oberlandesgerichts:
Der Versicherte habe sich einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung unterzogen. Dass der Gutachter eine stationäre Therapie empfohlen hat, sei für die Leistungspflicht des Versicherers unerheblich.

"Denn in der Krankentagegeldversicherung ist allein entscheidend für das Vorliegen einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung die Eignung der Behandlung zur Wiederherstellung der Gesundheit", entschieden die Richter.

Maßgeblich sei, dass der Versicherte sich in ärztliche Behandlung mit dem Ziel der Wiederherstellung seiner Arbeitsfähigkeit begeben habe. Die Weigerung des Arztes, sein Behandlungskonzept darzulegen, entlasse das Unternehmen nicht aus der Zahlungspflicht.

Bei der Krankentagegeldversicherung komme es nur auf die tatsächliche ärztliche Behandlung an, es gehe nicht "um das Interesse des Versicherers an der Abwehr unnötiger Kosten".

Quelle: www.aerztezeitung.de