Mangel an kassenzugelassenen Psychotherapeuten in Deutschland

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Psychotherapeuten/-innen fehlen an allen Ecken: In der Traumatherapie, in der Therapie von Senioren, die an Depressionen leiden, in der Therapie der Menschen, die unter den Folgen des Missbrauchs in Kirche etc. leiden, in der Therapie der psychisch schwerkranken Menschen, die aktuell oft auf der Strecke bleiben, in der Therapie der Menschen, die unter einem Burnout leiden bzw. in Gefahr geraten, in einen solchen hineinzurutschen etc. etc.

Eine Studie aus 2011 zeigt zumindest, dass Patienten durchschnittlich mehr als zwei Monate auf ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten warten. Besonders im ländlichen Raum ist die psychotherapeutische Versorgung sehr schlecht.

Auch hier im Sozialblog wurde dieses Thema bereits des Öfteren beleuchtet.
Ratschläge, was gemacht werden kann, wenn man/frau keinen freien Therapieplatz findet, finden Sie z.B. hier:
Wie finde ich einen freien Therapieplatz? Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst,
Zu wenig ambulante Therapieplätze - und trotzdem soll sich nichts ändern
Was mache ich, wenn es keine freien Therapieplätze bei Therapeuten mit Kassenzulassung gibt?
Integrierte Programme für Psychisch Kranke nur bei bestimmten Erkrankungen

In den psychiatrischen Praxen wiederum geben sich die Patienten/-innen die Klinke in die Hand. Mehr als ca. fünf bis zehn Minuten psychiatrisches Gespräch bzw. Behandlung pro Patient bleibt da kaum mehr, Diagnosenstellung etc. sind kaum mehr fehlerlos möglich innerhalb dieser kurzen Zeit. 

... und dann lese ich heute folgende Satz, mit dem die Gesetzlichen Krankenversicherungen aktuell begründen, warum nicht mehr Psychotherapeutensitze finanziert werden, obwohl der Bedarf eindeutig höher ist als noch vor zehn Jahren.

"...Laut Aussage eines Vertreters des GKV-Spitzenverbandes gibt es nicht zu wenig Psychotherapeuten, es würden heute nur mehr psychische Erkrankungen als solche wahrgenommen. ..."

(Quelle: www.aerztezeitung.de: Psychotherapeuten hoffen auf GBA)

Ich bin mir nicht sicher, ob diesem Mann klar ist, dass seine Begründung eindeutig hinkt. Aber für jeden kritischen und aufmerksamen Leser dieses Satzes dürfte eines klar sein: Wenn heute mehr psychische (und psychosomatische) Erkrankungen als solche wahrgenommen werden, dann müssen auch mehr dieser Erkrankungen, Symptome und Störungen behandelt werden. Mehr Behandlungsaufwand bedeutet im Klartext aber auch mehr Praxen, mehr Kliniken, mehr Psychotherapeuten, also grundsätzlich mehr Behandlungskapazitäten! 

Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) hofft nun auf ein Einsehen der Politik. Ein Antrag, der u.a. auch die Erhöhung der aktuellen Praxissitze beinhaltet, liegt aktuell im Gemeinsamen Bundesausschuss. 

"... aber die Hoffnung bleibt!"




1 Kommentare

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Bei uns in München ist die Situation für kassenversicherte Patienten leider sehr schwierig: Wartezeiten von mehreren Monaten bis zu einem halben Jahr sind leider nicht die Seltenheit. Zwar gibt es ein Beratungstelefon der KVB, in der Therapeuten freie Plätze melden, aber der Bedarf ist weitaus größer. Oftmals bleibt nur der Weg der Kostenerstattung in privaten Psychotherapiepraxen. Nachdem die Bedarfsplanung und Realität so weit auseinanderklaffen, sollten die Berechnungsgrundlagen doch mal überprüft werden.