Ambulante Psychotherapie und Kostenerstattungsverfahren: Worauf Sie achten sollten

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Bereits seit einigen Jahren ist gesetzlich geregelt, wie Sie trotz des Mangels an ambulanten kassenzugelassenen Psychotherapeuten einen geeigneten Therapieplatz finden können: Sie haben unter anderem die Möglichkeit, eine Therapie bei einem Privattherapeuten anzufangen. Wenn Sie belegen können, dass es in der nahen Zukunft keinen Therapieplatz bei einem kassenzugelassenen Therapeuten für Sie gibt, sollten die Kosten für die Psychotherapie von Ihrer Gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden.

Wenn Sie die Kosten von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse erstattet haben wollen, müssen Sie bei dieser einen ausführlichen Antrag auf Kostenerstattung stellen (siehe hierzu auch folgenden Beitrag "Was mache ich, wenn es keine freien Therapieplätze bei Therapeuten mit Kassenzulassung gibt?").

Beachten Sie dabei folgende Punkte:

a) Erkundigen Sie sich am besten vorab, unter welchen Bedingungen Ihre Krankenkasse auch einen privaten Psychotherapieplatz bezahlen würde und welche Daten der Antrag auf Kostenerstattung enthalten muss. Wichtig sind hierbei u.a. auch Ausbildung des Psychotherapeuten und Ihre aktuelle Situation.

b) Unter anderem müssen Sie in diesem Antrag nachweisen, dass kein Kassentherapeut sie zeitnah behandeln kann und ihr psychisches Problem dringlich ist. Letzteres sollten Sie sich am besten von einem Psychiater oder Neurologen attestieren lassen, da bei den Krankenkassen ein Attest des jeweiligen Facharztes immer noch mehr wiegt als das des Hausarztes (aucn wenn letzterer Sie und auch ihre gesundheitlichen Probleme meist viel besser kennen dürfte).

c) Ihre Bemühungen, einen Kassentherapeuten zu finden, belegen Sie am besten durch ein Telefon- und E-Mail-Protokoll (zu welcher Zeit wurde welcher Therapeut kontaktiert? Wie lautete seine Reaktion und wie lange sind seine Wartezeiten?). Kontaktieren Sie möglichst viele Psychotherapeuten, damit Sie Ihrer Krankenkasse gegenüber auch den guten Willen nachweisen können.

Was Sie unbedingt wissen sollten:

a) Inzwischen ist leider bekannt geworden, dass einige Gesetzliche Krankenkassen in diesen Fällen einen Therapiebeginn künstlich verlängern. Die entsprechenden Anträge auf Kostenerstattung werden einfach liegen gelassen und für längere Zeit nicht bearbeitet. Das Bundesgesundheitsministerium reagierte nun auf diesen Zustand: Ab sofort können Sie einen solchen Antrag als genehmigt betrachten, wenn dieser nicht innerhalb von fünf Wochen von Ihrer Krankenkasse entschieden wurde.

b) Gehen Sie bitte davon aus, dass viele Krankenkassen einen solchen Antrag im ersten Schritt ablehnen (es wird aktuell von ca. 80 Prozent aller Anträge auf Kostenerstattung ausgegangen, die vorerst abgelehnt werden). Geben Sie jedoch bitte nicht auf, auch wenn eine solche Ablehnung in instabilen Zeiten erst einmal schwer zu bewältigen ist. Schreiben Sie einen Widerspruch, am besten mit Hilfe des betreffenden Therapeuten und Ihrer Ärzte. Der Widerspruch hat meist Erfolg!

Weitere Informationen zu den Reaktionen der Gesetzlichen Krankenkassen finden Sie in dem Beitrag von spiegel-online: "Zoff über Kostenerstattung: Kassen schikanieren Psychotherapie-Patienten" von Jana Hausschild

Ratschläge zum Widerspruchsverfahren finden Sie unter anderem hier.