Bericht auf spiegel online: "Kassen bedrängen psychisch Kranke"

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Der heutige Bericht von spiegel online.de: Sparzwang: Kassen bedrängen psychisch Kranke ist leider kein Einzelfall. Das weiß ich aufgrund eigener Erfahrungen und Erzählungen anderer. Spardruck und Bürokratie lassen bei den Krankenkassen wenig Platz für Menschlichkeit, Mitgefühl und Verständnis für Kranke. Wehren können sich leider nur sehr Wenige. Denn die meisten haben aufgrund ihrer Krankheiten weder Kraft noch Mut, sich gegen eine Institution zu stellen. Zudem fehlt oft das notwendige Fachwissen.

Gerade deswegen ist Unterstützung notwendig - von den behandelnden Ärzten und Kliniken, von Partnern, Verwandten und Freunden, von Fachanwälten und von unabhängigen Beratungsstellen wie z.B. UPD. Letztere hat aktuell Probleme, das steigende Anrufaufkommen zu bewältigen, zu viele Betroffene brauchen Hilfe.

Ein Un-Zustand, der behoben werden muss. Umdenken ist erforderlich, vor allem auf der Kassenseite. Denn es kann nicht sein, dass die Krankenkassen durch ihr Verhalten bewusst kranke Mitglieder noch tiefer in die Krankheit treiben anstatt diese zu unterstützen, die Krankheit zu bewältigen bzw. mit ihr besser zurecht zu kommen.

Quellen:
spiegel online.de: Sparzwang: Kassen bedrängen psychisch Kranke



4 Kommentare

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Hi,

es ist heftig.

Gleichzeitig sollte man schon differenzieren. Denn es gibt auch Krankenkassen, die vor allem mit psychischen Erkrankungen besser und achtsamer umgehen können: Hier nenne ich mit großem Dankeschön z.B. die Techniker Krankenkasse, die mir nach schlechten Erfahrungen mit einer Betriebskrankenkasse ein wenig Vertrauen zurückgegeben haben.

Wegen der gesetzlichen Regelung, auf deren Basis die Krankenkasse ja handelte, sollten wir jedoch noch mal einen Beitrag schreiben. Denn hier sollte jeder chronisch Kranke Bescheid wissen, wie streng dies mit der Anschlusskrankschreibung gehandhabt wird.

Die Regelung ist echt heftig! Und das ist ja das Schlimme: Auch wenn die Krankenkasse echt unmenschlich reagierte, die Paragraphen geben ihr Recht!

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Hi,

ich kümmere mich darum.

Mir tun gerade einige Kommentare weh, die zu dem Artikel bei spiegel-online geschrieben wurden.

So viele Menschen sind immer noch der Meinung, dass psychisch Kranke "sich nur anstellen" und dass viele der Depressiven das Gesundheitssystem nur ausnutzen.

Gleichzeitig weiß ich ja auch, dass es immer Trittbrettfahrer geben wird. Auch bei Depressionen, auch bei Burnout etc. etc.

Und dann tut es so weh, wenn ich an zwei wundervolle Menschen denke, die ich schon in meinem Leben durch diese Krankheit Depression verloren habe. Beide haben Suizid begangen. Beide haben sich in die Tiefe gestürzt, keine Überlebenschancen. 1987 genauso wie 2013... da hat sich nichts verändert!

Es tut so weh, diese pauschalen Kommentare zu lesen, wenn frau dann selbst betroffen ist, so gern mehr Kraft hätte, so gern wieder arbeiten würde - wenn da irgendein Lichtlein wäre, irgendeine Chance wäre... Aber nach all den Jahren ist klar geworden, dass es einfach nicht geht, dass die Traumafolgestörungen zu heftig sind. Aber allein der Gedanke, dass manche denken könnten, ich würde das nur "spielen", um der Gesellschaft auf der Tasche zu liegen bzw. mir ein nettes Leben zu machen... da dreht sich mir der Magen um.

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Hi,

nur kurz: Du spielst nicht. Du hast geackert wie eine Blöde in Therapien, hast an Dir gearbeitet, alles versucht, zugehört, Ratschläge angenommen und umgesetzt, hast -zig Medikamente ausprobiert, ob das eine oder das andere mehr bringt, Du schonst Dich heute noch nicht genug.

Das weißt Du hoffentlich! Deine Ärzte wissen das, Deine Therapeuten wissen das, die Klinik weiß das... und selbst der Gutachter vor drei Jahren wusste das damals schon!

Es gibt Erkrankungen, die irgendwann so chronifiziert sind, dass frau nur eines machen kann: Lernen, damit so gut wie möglich umzugehen und zu leben und sich dabei nicht zu verlieren, die Hoffnung nicht aufzugeben!

Das tust Du! Mehr geht nicht, zumindest aktuell nicht. Daher sind Vorwürfe und Ängste an dieser Stelle völlig unangebracht. Von außen macht sie keiner, daher solltest Du in Deinem Inneren auch ein wenig friedlicher und sanfter mit Dir selbst sein.

Du stellst Dich nicht an!!!

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Hi Genni,

nur kurz:

Nein, Du spielst nicht.
Und nein, Du stellst Dich nicht an!

Das wissen ganz, ganz viele Menschen, die Dich kennen! Und ich bin sicher, dass auch der nächste Gutachter Dir nur ins Gesicht sehen muss, um zu kapieren, dass es Dir aktuell nicht gut geht!

Pass' auf Dich auf und zermürb Dich nicht!

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