Manchmal sollte man lieber den Mund halten...

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... oder vor dem Reden nachdenken!

Josef Hecken, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (dieser handelt aus, welche Therapien und Medikamente die Versicherten erhalten), schaffte es mit einem einzigen unglücklichen Zitat, die Gemüter der Psychotherapeuten und Psychologen zu erhitzen:

In einer formellen und öffentlichen Sitzung ging es u.a. um die Frage, inwieweit mehr Kassensitze an psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten gehen sollten. Hierzu meinte Hecken, man benötige nicht für jeden Bürger einen Psychotherapeuten, eine Flasche Bier tue es manchmal auch. Der Satz findet sich in einem Protokoll, das von der öffentlichen Sitzung angefertigt wurde. In diesem Artikel von spiegel online  wird mehr über das bemerkenswerte Fettnäpfchen berichtet.

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In einer Zeit, in der Menschen mit schweren psychischen Störungen monate- bis jahrelang auf einen geeigneten Therapieplatz warten und dann auch noch für eine längerfristige geeignete Psychotherapie kämpfen müssen, wirkt dieser Satz wie purer Hohn - auch wenn ich dem Betreffenden zugestehe, dass er das vielleicht "garnicht so gemeint hat" und das Zitat - herausgerissen aus dem Gesamtkontext - falsch wirken kann. Auf jeden Fall werden jedoch nicht nur (schwere) psychische Erkrankungen, sondern auch der aktuelle Mangel an Therapieplätzen verharmlost und bagatellisiert... während sich viele psychisch schwerkranke Menschen arbeitsunfähig und ohne geeignete therapeutische Unterstützung von Tag zu Tag hangeln.

Herr Hecken, ein wenig mehr Vorsicht und Empathie wären hier von Vorteil und m.E. sogar bitter notwendig in Ihrer Funktion!


 




1 Kommentare

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Na, da hat sich jemand wohl zu flapsig ausgedrückt und nicht daran gedacht, dass er nicht am Stammtisch, sondern in einer öffentlichen und formellen Sitzung sitzt...

Fee, Du hast schon Recht. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Herr darauf aufmerksam machen wollte, dass sich einige Bundesbürger einfach mal ne Therapie über die Krankenkasse "gönnen" - obwohl nicht bei jedem eine wirkliche psychische Störung vorhanden ist (aber mal ehrlich, wie viele sind das wirklich?). Denn immer wird berichtet, dass die wirklich psychisch schwerkranken Fälle keine Psychotherapeuten finden, die sie behandeln wollen, während die leichteren Fälle sehr viel schneller einen Platz finden.

Aber durch die Begrenzung der Kassenzulassungen wird dieses Problem auch nicht gelöst, da hätte eine bessere Ausbildung, Supervision und Kontrolle der Psychotherapeuten mit Kassenzulassung sicherlich mehr Erfolg.

Kurz: Herzlichen Glückwunsch zum Fettnapf!