Druck der Krankenkassen bei längerer Krankschreibung steigt

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Laut der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) üben Krankenkassen verstärkt auf ihre Mitglieder Druck aus, wenn sie über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben sind. In der Regel rufen die Krankenkassenmitarbeiter regelmäßig bei den Betroffenen an und haken nach, wann denn mit einer Gesundschreibung zu rechnen sei - was per se erst einmal nichts Schlimmes ist bzw. positiv gesehen auch als "Kümmern" gesehen werden kann.

Die Intervalle, in denen angerufen wird, haben sich jedoch in den letzten Jahren scheinbar extrem geändert: Wie aus entsprechenden Selbsthilfeforen entnommen werden konnte, wurden die Erkrankten teilweise jede Woche angerufen bzw. mehrmals zum MDK eingeladen.

Zudem werden die Krankschreibungen der behandelnden Ärzte nicht nur infrage gestellt. Die Betroffenen werden sogar bedrängt, den Arzt oder Therapeuten zu wechseln bzw. trotz der noch anhaltenden Krankheit wieder arbeiten zu gehen. Bei infrage kommenden stationären Behandlungen forcieren die Krankenkassen-Mitarbeiter Reha-Aufenthalte - ohne Rücksicht darauf, ob diese indiziert sind oder nicht. Denn für die Reha-Aufenthalte muss die Rentenversicherung bezahlen, während die Krankenversicherung für die stationären Akutkliniken zuständig ist.

Kurz:
Der Ton ist - bis auf wenige Ausnahmen - deutlich schärfer geworden. Schon im letzten Jahr berichtete ich anlässlich eines Artikels bei Spiegel Online über den Umgang der Krankenkassen mit psychisch Kranken (siehe hier). Seither scheinen die Zahlen der Kranken, die teilweise Schikanen von ihren Krankenkassen erleben musste, nochmals gestiegen zu sein.

Als "Kümmern" kann man es beim besten Willen nicht mehr bezeichnen. Die Experten sind sich auf jeden Fall einig: Eine schnelle Genesung kann so nicht erwartet werden. Und mal ganz ehrlich: Die schwarzen Schafe, die eventuell vielleicht doch "nur krankmachen", werden sich aus den Telefonaten und eventuellen Drohungen nicht viel machen - die kommen mit dem Druck klar.

Für Menschen, die jedoch selbst daran verzweifeln, dass sie nicht mehr wie früher "funktionieren" und krank sind, ist dieser Druck mehr als schädlich. Dies dürfte jedem klar sein. Ich selbst musste 2006 und 2007 erleben, wie sehr diese Telefonate belasten und destabilisieren können. Ohne ein funktionierendes fachliches Helfer-Netzwerk und einen wunderbaren Freundeskreis hätte ich es damals nicht geschafft, auf meine Recht als schwerkrankes Kassenmitglied zu pochen. Letztlich benötigte ich dafür auch einen Anwalt, der die Kommunikation mit der Krankenkasse übernahm (die übrigens bis zum Schluß nicht einlenkte, obwohl da schon aufgrund meiner schweren Erkrankung die EM-Berentung von der Rentenkasse beschlossen wurde).

Es dürfte niemanden verwundern, dass ich heute Mitglied einer anderen Krankenkasse bin - und mich dort auch als chronisch krankes und schwerbehindertes Mitglied sehr viel besser aufgehoben fühle.

Quellen:
www.aerztezeitung.de: Krankengeld - Experten monieren Vorgehen der Kassen; 22.05.2014
Hausschild, Jana: "Krankenkassen: Druck auf psychisch Kranke wächst", auf spiegel online; 2013
Hamburger Abendblatt: Kassen machen Druck auf Kranke; 2012



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Die UPD hat in ihrem Jahresbericht noch einmal konkretere Zahlen genannt zum obigen Thema. U.a. wurde deutlich, dass es allein in knapp 9 Prozent der Beratungsgespräche um die Angst ginge, die Krankschreibung und damit das Krankengeld zu verlieren. Bei anderen vier Prozent ginge es um stationäre Rehabilitationen, die nicht von der Krankenkasse genehmigt würden.

Mehr Informationen finden Sie unter folgendem link auf www.aerztezeitung.de:

Patientenberatung
Versicherte bangen oft ums Krankengeld
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