Private Berufsunfähigkeitsversicherungen - Was tun im Ernstfall?

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Vor Jahren hatte ich die private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen - natürlich in dem Denken: "Es wird schon nichts passieren - aber sicher ist sicher".

Zehn Jahre später war es soweit: "Sie können erst einmal nicht mehr arbeiten".
Aus, vorbei... Und jetzt?  

Ich habe erst einmal meinen Versicherungsmakler angerufen, der mir vor Jahren die Versicherung vermittelt hatte. Was gut tat: Ein wenig Mitgefühl, ein wenig Verständnis - und das: "Ich rufe für Sie dort durch, gebe den Versicherungsfall an, und fordere die Unterlagen an".
(Anmerkung: Die Berufsunfähigkeitsversicherung reagiert in der Regel erst, wenn eine Berufsunfähigkeit von mind. sechs Monaten droht bzw. vorhanden ist)

Fragen über Fragen
Tage später kamen die Fragebögen bei mir an. Seitenweise Fragen über Fragen. Wahnsinn! Wer soll das alles beantworten? Ich kann doch nichts dafür, dass ich krank bin. Wahrscheinlich habe ich damals reagiert wie die meisten, die in einer ähnlichen Situation steckten: Ich warf die Papiere in die Ecke, heulte - und schaute einfach für eine Woche nicht mehr dorthin...

Bis ich mich wieder sachlich und vernünftig an das Thema rantraute... und Frage für Frage beantwortete, teilweise deswegen mit früheren Ärzten und meiner Krankenkasse telefonierte und redete, mit meiner Sozialberaterin sprach, Zeiten berechnete, Diagnosen neu kennenlernte... und alles endlich abschickte.

Eine Antwort kam schnell. Da ich nicht pauschal alle und jeden von der Schweigepflicht entband (was ich auch niemanden raten würde), musste ich Einzel-Schweigepflichtsentbindungen gegenüber allen Ärzten ausstellen, die mich in den letzten zehn Jahren behandelt hatten. Ein ungutes Gefühl, aber daran ändern konnte ich leider nichts.

Warten
Dann galt eines: Warten, warten, warten.

Zum einen wurde die aktuelle gesundheitliche Situation überprüft. Da ich sowohl ausführliche Krankenhausentlassberichte als auch ärztliche Gutachten zur Verfügung stellen konnte, die alle daselbe aussagten, gab es zu dem Punkt keine Probleme. Die Arbeitsunfähigkeit wurde anerkannt.

Zum anderen wollte nun die Versicherung jedoch wissen, ob ich vor zehn Jahren schon von dieser Krankheit wusste - und eventuell "arglistig" Dinge verschwiegen habe... Alle Krankmeldungen wurden überprüft, vor allem in Hinblick darauf, ob ich damals bei dem Versicherungsantrag nicht schon hätte wissen können, dass ich die heutigen Krankheiten habe. Mein Hausarzt, der mich vor zehn Jahren bei dem Versicherungsantrag untersuchte, musste noch einmal -zig Fragebögen ausfüllen.  

Obwohl ich da ein völlig "reines Gewissen" hatte, war mir da doch ziemlich mulmig. Hatte ich doch schon so viel von rechtlichen Streitigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung gehört... innerlich wartete ich nur noch auf Post: "Wir haben bei Ihnen folgende Unstimmigkeiten gefunden:...".

Geschafft
Aber da hatte das Schicksal dann doch sein Einsehen:
Ein halbes Jahr nach Antragstellung auf die privaten Rentenzahlung kam der Brief:
Anerkennung der Berufsunfähigkeit für erst einmal drei Jahre, Rückzahlung von xx Monatsrenten, weitere Monatsrenten zum 1. des Monats, Gute Besserung!

Die Steine, die mir an dem Tag vom Herzen fielen, hätte man auch bei Ihnen hören müssen...
Es gibt also auch gute Erfahrungen!
Ohne Streit, ohne Anwalt, aber mit viel emotionaler Unterstützung und Geduld klappt es manchmal auch!