Mein Kind bekommt Ergotherapie verordnet - Was passiert da?

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Ergotherapie für Kinder wird auch Pädriatie (Kinderheikunde) genannt.

Grundsätzlich gilt diese Therapie-Art als eine entwicklungsfördernde und rehabilitative Maßnahme, und wird in sehr unterschiedlichen Krankheits- bzw. Störungsbildern eingesetzt.

Oft wird diese vom Kinderarzt verordnet, wenn Störungen oder Schwierigkeiten in der kindlichen Entwicklung beobachtet werden. 

U.a. können dies sein:

Störungen oder Schwierigkeiten bei der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen, in der Grob- und Feinmotorik, bei der Graphomotorik.  Zeichnen sich Schwierigkeiten bei der Entwicklung im körperlichen, geistigen oder seelischen Bereich durch Verhaltensabweichungen wie z.B. Ängste, Aggressionen, Abwehr, Passivität oder Hyperaktivität ab, kann Ergotherapie auch eine unterstützende Begleitmaßnahme sein. Ähnliches gilt für Probleme im schulischen Bereich (Konzentrationsstörungen, Lese-/ Rechtschreibstörungen, Rechenschwäche) oder Teilleistungsstörungen.  

Ziel der Ergotherapie für Kinder ist die Förderung der Entwicklung, abgestimmt auf die Bedürfnisse, Probleme und den Charakter des einzelnen Kindes.

Unabdingbar für ein Gelingen der Therapie ist eine gute persönliche Beziehung und ein guter Kontakt zwischen dem Kind und der Therapeutin/ dem Therapeuten. Daher wird zu Beginn sehr stark Wert auf den Beziehungsaufbau gelegt.

Als Medium in der Ergotherapie dienen u.a. Spiel, Bewegung und/oder Musik. Lassen Sie sich hier auch die Räume in der Ergotherapie-Praxis zeigen. Oft gleichen die Räume in einer Ergotherapie-Praxis für Kinder tollen Spielparadiesen bzw. "Spielplätzen unter dem Dach".

Lassen Sie sich auch von der Ergotherapeutin bzw. dem Ergotherapeuten erklären, wie diese/r nach dem Befund mit Ihrem Kind weiterarbeiten möchte, und wie Sie die Therapie begleitend unterstützen können. Denn eines wird gern vergessen: Therapie ist nicht eine Stunde pro Woche, Therapie ist Alltag. Und hier können Sie Ihr Kind zuhause unterstützen bzw. motivieren. Wichtig ist für Sie und Ihr Kind auch, dass Sie gemeinsam mit der/dem Ergotherapeuten/in den regelmäßigen Austausch zwischen und mit den ÄrztInnen, evtl. anderen TherapeutInnen, LehrerInnen oder ErzieherInnen pflegen und fördern. So können alle Bezugspersonen ihren Teil dazu beitragen, um Ihr Kind besser verstehen und die Inhalte und Ziele innerhalb der Therapie in den Alltag integrieren zu können (z.B. Übungen für zuhause, Besonderheiten, die in der Schule zu beachten sind).  

Vorrangiges Ziel ist, die Selbständigkeit und die Handlungsfähigkeit Ihres Kindes zu fördern und zu maximieren. In der Therapie sollten jedoch konkrete Teilziele vereinbart werden, die für alle verständlich sind. Teilziele können u.a. sein:

  • Verbesserung der Bewegungsabläufe, der Tonusregulation und der Koordination
  • Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmung 
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperschemas
  • Hilfen zur Verbesserung der visuellen und auditiven Wahrnehmung u.a. als Voraussetzung zum schulischen Lernen
  • Entwicklung und Verbesserung von Konzentration und Ausdauer
  • Entwicklung und Verbesserung von sozio-emotionalen Kompetenzen, u.a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte, der Motivation oder der Kommunikation
  • Integration des Kindes in Familie und Umwelt
    etc.

Zwei Anmerkungen noch zum Schluss: 

Ergotherapie wird auf ärztliche Verordnung durchgeführt und ist eine Vertragsleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Kosten entstehen für Sie persönlich in Höhe der Zuzahlung. Fragen Sie hier am besten direkt in der Ergotherapie-Praxis nach.

Wenn Sie ein Ergotherapie-Rezept von einem Arzt erhalten, fragen Sie am besten gleich nach einer geeigneten Ergotherapie-Praxis nach. Auch sollte diese noch Plätze frei haben. Denn viele Praxen sind spezialisiert bzw. haben lange Wartezeiten.

2 Kommentare

MT  Standard-Benutzerbild

Gut geschriebener Beitrag, vor allem, finde ich auch sehr treffend geschrieben, dass die Ergotherapie nicht nur ein Gang einmal in der Woche eine dreiviertel Stunde ist, sondern es bedeutet Alltag, denn die Eltern müssen natürlich das Konzept zu Hause mit übernehmen, damit sie erfolgreich sein können!
Viele Grüße,
die ergobloggerin

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Tipp: Es gibt inzwischen auch Ergotherapie-Praxen, die Hunde- bzw. Tierbegleitete Ergotherapie anbieten; sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.