Erfahrungen mit dem MDK - rechtliche Hilfe war extrem wichtig

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Nachdem hier doch relativ viel zum Medizinschen Dienst der Krankenkassen geschrieben wurde, möchte ich hier meine eigenen Erfahrungen mitteilen.

Ich hatte z.B. wegen meiner Arbeitsunfähigkeit keinerlei Erfahrungen, obwohl ich leider seit einigen Jahren schwerkrank bin. Der MDK wollte mich nie sehen, auch wurde hier nie etwas infrage gestellt.

Wo ich jedoch extrem mit dem MDK zu kämpfen hatte:
Bei der Auswahl der indizierten stationären Krankenhausbehandlung.

Vielleicht kurz zum Hintergrund:
In meinem Fall gibt es leider nicht viele Krankenhäuser in Deutschland, die sich gut auskennen und damit auch eine geeignete und vielversprechende Behandlung anbieten. Aber ich hatte nach langer Recherche, auch mit Hilfe von Fachleuten, zwei Kliniken in Deutschland gefunden, mich bei einer vorgestellt, die nach der Untersuchung auch klar die Aufnahme befürworteten und für dringend erachteten - und mit einem ausführlichen Bericht den Antrag auf Kostenerstattung bei der Krankenkasse einreichten.

Erster Schritt beim MDK
Dieser Bericht wurde direkt von dem Krankenhaus an den MDK weitergeleitet. Auf Basis des Krankenhausberichts (Vorgespräch) und meiner Vorgeschichte wurde dann am Schreibtisch nach ca. zwei Monaten folgende Entscheidung getroffen: Stationäre Behandlung ist nicht indiziert, ambulante Behandlung reicht völlig aus.

Bei dem Bescheid war ich noch ziemlich ruhig, wusste ich doch, dass einige stationäre Behandlungen im ersten Schritt abgelehnt wurden. Also formulierte ich den Widerspruch, legte zwei Atteste meiner Ärzte bei, die noch einmal klar die stationäre Behandlung in genau der betreffenden Klinik begründeten - und auch deutlich machten, warum es so dringend ist.

Zweiter Schritt mit MDK
Wieder wurden die Unterlagen an dem MDK weitergeleitet.
Auf Basis der Atteste und der anderen Unterlagen wurde dann folgendes, nach langem Warten (ca. sechs Wochen) - wieder nur am Schreibtisch - argumentiert: Berufsfähigkeit so stark gefährdet, dass stationäre Reha-Maßnahmen notwendig sind. Krankenhausaufenthalte sind aufgrund der Chronizität der Krankheit nicht indiziert. Des Weiteren bekam ich die Aufforderung, einen Reha-Antrag bei der Rentenversicherung zu stellen. Dies war also das zweite Gutachten.

Dritter Schritt beim MDK
Und wieder Widerspruch, dieses Mal direkt von meinen Ärzten, da ich inzwischen schon zu krank war, alles allein in die Hand zu nehmen. Wieder Atteste mit der Begründung, warum es nur zwei Kliniken bzw. Krankenhäuser in Deutschland gibt; und Begründung, warum Reha-Maßnahmen absolut nicht indiziert sind. Darüberhinaus wurde vor allem von einem Arzt sehr deutlich gemacht, dass es extrem eilt, da sich mein Gesundheitszustand sehr verschlechtert hatte in den letzten Wochen. Die Atteste kannte ich alle, schickte sie wie immer an meine Ansprechpartnerin.

Was dann folgte, war nach - ca. vier Wochen - ein Gutachten des MDKs, das mir die Schuhe auszog. Wobei wichtig ist, dass der MDK es wieder nicht als notwendig erachtete, mich persönlich zu untersuchen bzw. ein Gespräch zu führen. Die Entscheidung fiel wieder am Schreibtisch; auf Basis der Atteste und der Information der Sachbearbeiterin, dass ich am Telefon weinte, weil es mir so schlecht ging.

Festhalten bitte:
Aufgrund meiner schlechten gesundheitlichen Situation und einer Resignation befürchtete der MDK Suizidgefahr und empfahl, mich direkt in die nächst gelegene Psychiatrie einzuweisen. Wie gesagt, ohne persönlichen Kontakt und ohne Telefonat.

Was dann folgte, war erst einmal ein psychischer Zusammenbruch von meiner Seite - und ich bin heute meinem Hausarzt und einigen tollen Freunden sehr dankbar, dass sie dann die nächsten Schritte übernahmen bzw. mich wieder soweit aufbauten, dass ich selbst in der Lage war, einen guten Anwalt zu suchen und mit diesem den Fall durchzugehen.  

Und dazu kann ich immer wieder raten.

Erst einmal übernahm er den Kontakt zu der Krankenkasse, und kämpfte für mich um ein unabhängiges Gutachten. Ich wiederum kümmerte mich mit meinem Hausarzt darum, in der nächst gelegenen Uni-Klinik einen Termin bei einem Fachmann für meine Krankheit zu bekommen - damit dieser wiederum als "unabhängiger Gutachter" fungiert. Was klappte. Und da der Arzt der Uni-Klinik sich dann nach einer Untersuchung den Attesten und Berichten des betreffenden Fachkrankenhauses anschloss, die Diagnosen und die Behandlungsempfehlung bestätigte, sich telefonisch mit der Krankenkasse auch noch einmal für mich ins Zeug legte, klappte es dann doch. Nach einem halben Jahr des Kampfes um eine geeignete, wichtige stationäre Behandlung konnte ich innerhalb von zehn Tagen ins Krankenhaus gehen - was extrem wichtig war für mich - seitdem kann ich mit meiner Krankheit so gut umgehen und auch einige Krisensituationen vermeiden, meine Mitmenschen wissen Bescheid, was sie tun müssen, wenn es mir schlecht geht... so dass keine Notfalleinsätze mit Krankenwagen, Notfallaufnahme etc. mehr notwendig sind (eine Zeitlang leider die Regel). Ich bin nicht gesund, aber ich spare damit ja auch Kosten - indem ich weiß, wie ich mir selbst helfen kann. Und ohne diese Krankenhausbehandlung hätte ich dies nie geschafft.

Leider lernte ich auch andere Mitpatienten kennen, die ähnliche Erfahrungen mit dem MDK gemacht haben. Es kann an den Diagnosen liegen; an der Nicht-Akzeptanz, dass für manche Krankheiten Standard-Behandlungen leider nicht ausreichen - und diese eventuell auch teurer sind. Aber letztlich sind sie ja nur kurzfristig teurer... darum verstehe ich das Handeln bis heute nicht. Und habe heute schon Angst, da mir dringend empfohlen wurde, eine Folgebehandlung in Betracht zu ziehen. Aber noch einmal der Kampf? Halte ich diesen psychisch durch? Ich persönlich bin bei dem Thema sehr dünnhäutig geworden, da für mich das alles sehr belastend war.

Und kann nur zu einem raten: Sobald es heikel wird, rechtliche Hilfe und emotionale Unterstützung suchen - und eventuell jemand anders bitten, sich organisatorisch um die Angelegenheit zu kümmern. Man selbst ist im Bedarfsfall zu angreifbar und hat auch nicht genügend Abstand, wenn heftige Bemerkungen etc. fallen - ist man ja auch krank.