Kuren und Reha - ein Überblick

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"Ich fahr' mal in Kur", diesen Spruch hörte man früher öfter. Heute kommt dies nur noch selten vor.  Durch die Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem ist es nicht mehr so leicht, eine Kur genehmigt zu bekommen. Ohne Rückendeckung Ihrer Ärzte und ohne stichhaltige Argumente (Krankheit!) ist es aktuell kaum mehr möglich.

Den Anspruch auf Kurmaßnahmen gibt es jedoch grundsätzlich in zwei Bereichen: Vorsorge oder Rehabilitation. Ebenso können die Leistungen ambulant und stationär erbracht werden. Bei der Rehabilitation steht die Heilung einer Erkrankung im Vordergrund. Meist spricht man auch inzwischen von einer "Reha-Maßnahme". Bei der Vorsorge steht das Haltung des aktuellen Standes oder das Vorbeugen einer Erkrankung im Vordergrund. 

Falls Sie einen Kurantrag stellen wollen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt detailliert, ob und wenn ja, welche Maßnahme in Betracht kommt. Die notwendigen Antragsformulare erhalten Sie z.B. von Ihrer Krankenkasse oder dem Deutschen Rentenbund. Gehen Sie bei der Beantragung davon aus, dass eine gewisse Wartezeit (einige Monate) einzuplanen ist, bis Sie eine Antwort auf Ihren Antrag erhalten.

Ambulante Reha/AMR/EAP/AOTR

Diese Maßnahmen wurden ursprünglich für die Rehabilitation von Fußball-Profis entwickelt. Heute werden sie deutschlandweit genutzt. Die Behandlung dauert am Tag mehrere Stunden und umfasst unter anderem Krankengymnastik an Geräten und/oder Wassergymnastik. Vorteilhaft ist für viele, dass die Maßnahme in einem Reha-Zentrum an ihrem Wohnort stattfindet, und sie so ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen müssen. Klassische Diagnosen sind z.B. Kreuzband- und Bandscheibenoperation. Die Maßnahmen können von Ihrem Arzt verordnet werden.

Hier kann sowohl die Krankenversicherung als auch die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein.

Früher: Badekur - heute: ambulante Vorsorge in anerkannten Kurorten

Wenn Sie eine herkömmlich Badekur machen wollen, sprechen Sie bitte vorab Ihre Krankenkasse auf das Thema "ambulante Vorsorge in anerkannten Kurorten" an. So heißt dies nämlich inzwischen. Ansonsten suchen Sie sich Unterkunft und Verpflegung selbst bzw. sprechen dies mit Ihrem behandelnden Arzt ab. Voraussetzung: Sie müssen die Badekur an einem anerkannten Badeort, Luftkurort oder einem Seebad durchführen. Zuzahlungen zu einzelnen Maßnahmen (Heilmittel) sind möglich. Zudem kann die Krankenkasse zu Unterkunft, Verpflegung und Fahrkosten grundsätzlich einen Kostenbeitrag von maximal 13,00 Euro pro Tag zahlen. All das sollten Sie jedoch detailliert vorab besprechen, um keine bösen Überraschungen zu erleben und alle Kosten selbst tragen zu müssen.

Grundsätzlich sollte eine solche Maßnahme drei Wochen dauern, zwei Wochen aber nicht unterschreiten. Sie kann natürlich auch im Ausland durchgeführt werden. Klassische Ziele sind z.B. Bulgarien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Polen, Estland, Österreich und Montegrotto in Italien. Bitte schauen Sie hier jedoch auch genau auf die Kosten: Denn nicht alles wird von Ihrer Krankenkasse übernommen - und auch nur nach Vorabsprache!

Gesundheitswochen

Sollten Sie an einer sogenannten "Gesundheitswoche/-urlaub" interessiert sein, erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse. Meist stellt diese bereits verschiedene Angebote (z.B. zu speziellen Diagnosegebieten mit ärztlichen, präventiven und Hotelangeboten) zur Verfügung. Inwieweit diese Angebote von der Krankenkasse bezuschusst werden, ist stark von den einzelnen Krankenkassen abhängig. Teilweise bieten die Kassen bereits auf ihrer Website umfangreiche Informationen. Bei anderen sucht man diese wiederum vergebens.

Stationäre Reha/Vorsorge

Eine stationäre Reha ist in einer sogenannten Reha-Klinik möglich. Grundsätzlich gibt es hier Einrichtungen von gemeinnützigen und privaten Trägern. Alle für Sie infrage kommenden Einrichtungen müssen einen Versorgungsvertrag mit Ihrer Kasse haben. Zudem gehen immer mehr Kassen dazu über, Vorzugsverträge mit einigen Anbietern abzuschließen. Daher sollten Sie sich genau erkundigen, mit welchen Häusern Ihre Krankenkasse Verträge hat. Schauen Sie sich jedoch das Angebot genau an, und überprüfen Sie, ob die von der Kranken- oder Rentenkasse vorgeschlagene Einrichtung geeignet ist, um auf Ihre Krankheit bzw. Beschwerden einzugehen und mit Ihnen an einer Linderung zu arbeiten. Notfalls suchen Sie - gegebenenfalls mit Ihren Ärzten - noch einmal auf eigene Faust nach einer geeigneteren Klinik und sprechen nochmals mit Ihrer Krankenkasse bzw. mit der Rentenversicherung. Denn letztlich werden Sie in einer stationären Reha mehrere Wochen verbringen, die Sie sicherlich sinnvoll nutzen wollen!

WICHTIG! Genau wie bei der Krankenhausbehandlung fallen hier 28 Tage Zuzahlung à 10,- Euro an. Sofern Sie direkt aus einer Krankenhausbehandlung kommen und innerhalb von 14 Tagen die Reha beginnen, gilt diese als Anschlussheilbehandlung - es fällt dann keine neue Zuzahlung an.

Erkundigen Sie sich bei einem Antrag auf stationäre Reha vorab bei Ihrer Krankenversicherung, welche Instituion für eine Reha in Ihrem Fall verantwortlich ist (Krankenkasse oder Deutsche Rentenversicherung). Bei mir war z.B. die Deutsche Rentenversicherung verantwortlich.

ACHTUNG BEI KINDER!! Hier ist die die Zuständigkeit der Deutschen Rentenversicherung nach Diagnosen geregelt. Sprechen Sie daher entweder Ihre Krankenkasse oder die Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung vor Ort an, um zu klären, wo Sie eine Reha beantragen müssen. Eventuell weiß jedoch auch der Kinderarzt bereits Bescheid.