Achtung: Wartezeiten bei Anträgen sollten realistisch eingeschätzt werden!

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Immer wieder erlebe ich, dass bei Renten- bzw. Reha-Anträgen  nicht damit gerechnet wird, WIE lange manche Wartezeiten sind. Meist sind die Leute dann völlig schockiert.

Daher nur einige Beispiele:

In gewissen psychosomatischen Fachkliniken besteht für eine Akutbehandlung aktuell eine Wartezeit von 3 Monaten bis zu zwei Jahren! Dies gilt vor allem für spezielle Behandlungen. Viele Patienten irritiert hier zu Recht der Begriff "Akutbehandlung". Aber diese langen Wartezeiten sind beileibe keine Ausnahme.

In manchen Reha-Kliniken sieht es nicht weniger schlimm aus. Teilweise handelt es sich hier jedoch oft nur um 6 Wochen bis einige Monate.

Mein Reha-Antrag vor einigen Jahren wurde innerhalb von neun Monaten bearbeitet (inkl. Gutachter etc.). Mein Rentenantrag in einer ähnlichen Zeit. Bei anderen dauert es bereits mehr als ein Jahr inkl. Widerspruch und Reha; aktuell läuft deren Rentenverfahren immer noch.

Um in eine gewünschte Fachklinik gehen zu können, die für die Behandlung meiner Beschwerden prädestiniert war, benötigte ich 18 Monate, einige Widersprüche, viel Nerven und vor allem rechtlichen Beistand.

Bei Anträgen auf den Schwerbehindertenausweis kann es Jahre dauern, bis sich beide Parteien auf einen beiderseits akzeptieren GdB (Grad der Behinderung) einigen.

Als eine Freundin ihren krebskranken Vater zuhause pflegte, beantragte sie auf Anraten des Krankenhauses eine Höherstufung der Pflegestufe. Der Gutachter rief Monate später an, um einen Termin zu vereinbaren. Ihr Vater war in der Zwischenzeit verstorben.

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Es muss nicht sein, dass es bei Ihnen ähnlich lange läuft. Es kann auch sehr schnell gehen, mit Eilantrag, einem zufällig freien Platz in der oder einer anderen Klinik etc. etc.

Die Beispiele sollen vor allem für eines stehen:

Rechnen Sie mit sehr viel Zeit, die ins Land gehen wird, bis Sie einen Antrag "durchkriegen" bzw. die gewünschte Behandlung beginnen können. Haben Sie Geduld, und üben Sie sich in Gelassenheit.
Lassen Sie sich nicht entmutigen. 
Suchen Sie sich (rechtlichen) Beistand und seelische Unterstützung.
Und besprechen Sie bei gegebener Zeit bzw. im Notfall mit Ihrem Arzt mögliche Optionen, falls es doch zu lange dauern sollte. Ausweichmöglichkeiten gibt es immer.

Ein Tipp bei Akut- und Reha-Kliniken:
Dort gibt es die Möglichkeit, sich auf eine "Not"-, "Warte"- bzw. "Akutliste" setzen zu lassen, wenn man/frau flexibel ist. Wenn dort dann ungeplant ein Platz kurzfristig frei wird, werden Sie dann angerufen. Sie sollten dann jedoch bereit sein, am nächsten Tag sofort anzureisen.