Wichtig für Krankengeldempfänger: Krankengeldzahlung darf nicht ohne Begutachtung beendet werden

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Manche kennen dies vielleicht:

Die Krankenkasse ist trotz anderslautender Atteste und Aussagen der behandelnden Ärzte der Meinung, dass der/die Patient/in arbeitsfähig ist. Die Zahlung kann sie jedoch erst verweigern, wenn sie ein medizinisches Gegengutachten vorlegen kann.

Dies entschied das Landessozialgericht Hessen in einem aktuellen Fall: Atteste mehrerer Ärzte besagten, dass die Patientin weiterhin arbeitsunfähig und damit auf das Krankengeld angewiesen sei. Die Kasse stellte jedoch die Krankengeldzahlung ein, und berief sich bei ihrer Begründung auf die Stellungnahme ihres medizinischen Dienstes, der die Arbeitsfähigkeit begründete. Dieser hatte jedoch die Patientin weder gesprochen noch gesehen. Das Gericht wiederum wertete die Entscheidung der Krankenkasse als voreilig und willkürlich. Vertraut eine Krankenkasse nicht der Beurteilung der behandelnden Ärzte, muss sie den medizinischen Sachverhalt auf wissenschaftlicher Basis untersuchen, so die Experten. Befragungen der Ärzte und eine Untersuchung der Patientin seien dafür unerlässlich gewesen, die jedoch in diesem Fall unterlassen wurden.

Mein Tipp, da ich in einem anderen Fall dieses Verhalten der Krankenkasse erleben musste (es ging damals um einen Fachklinikaufenthalt,  den meine Krankenkasse nicht bewilligen wollte. Damals wurden weder meine Ärzte kontaktiert noch hat der Medizinische Dienst der Krankenkasse mich je gesehen, gesprochen oder gar untersucht):    

Gehen Sie dagegen an. Bitten Sie um ein persönliches Gespräch und  eine Untersuchung. Bitten Sie auch darum, dass die Krankenkasse bzw. der Medizinische Dienst sich mit Ihren behandelnden Ärzten auseinandersetzt (dies wird inzwischen oft unterlassen). Und lassen Sie nicht locker, gegebenenfalls mit Hilfe eines Anwalts.

Für alle, die sich das Urteil genauer anschauen wollen, die Daten: Az: L 8 KR 228/06. Gelesen habe ich den Tipp in der aktuellen Ausgabe Rätsel und Medizin, August 2008.