Erfahrungen - Beantragung passende stationäre Trauma-Therapie

| | Kommentare (28)

Zwischendurch mal ein emotionaler Beitrag.

Vor mir liegt ein Vortragsmanuskript zum Thema:
Von der Patientin zur "aufgeklärten Verbraucherin?" Komplex traumatisierte/dissoziative Menschen und stationäre Traumatherapie

Ein Vortrag, der Anfang Februar gehalten wurde von Claudia Igney im Rahmen der 15. Fachtagung der ISSD-Deutsche Sektion e.V. (ein internationaler Verband von Traumatherapeuten), und der meine eigenen Erfahrungen widerspiegelte, mich bestätigte und gleichzeitig ein paarmal trocken schlucken ließ.

Auf jeden Fall zeigt er auf, wie schwer es für (komplex) traumatisierte Patienten aktuell (noch) ist, die passende und damit auch wirksamste Therapie zu bekommen - sei es aus Unwissen oder aus Kostengründen.

Eine Passage aus dem Vortrag möchte ich hier zitieren, zeigt sie so deutlich, wie auch ich es erlebt habe.

"... Um jedoch in eine der ...Kliniken mit traumatherapeutischen Angebot zu kommen, muss die Hilfesuchende den Antragsweg kennen und ihre Rechte. Sie muss wissen, dass eine erste Ablehnung im formvollendeten Behördendeutsch nicht persönlich gemeint ist - sondern eine übliche "Kostendämpfungsmaßnahme" - und dass ein fristgerecht eingelegter Widerspruch sehr oft Erfolg hat. Begutachtungen im Auftrag der Rentenversicherungen werden häufig als retraumatisierend beschrieben, weil der zugewiesene psychiatrische Gutachter oft nicht über psychotraumatologische Fachkenntnisse verfügt. Dass auf diesem Weg nur die stabilsten und kampfbereiten oder solche mit kompetenter Unterstützung zum Ziel kommen, ist einleuchtend. Für alle anderen bleibt die regionale Psychiatrie das einzige Angebot. ..."
Quelle: s.o.

Ich würde dies alles gern verneinen. Aber genau dies sind meine Erfahrungen.
Ich habe im vorletzten und letzten Jahr gekämpft um den für mich geeigneten stationären Traumatherapieplatz. Insgesamt dauerte es 15 Monate, ein Vorgespräch, lange Wartezeiten, zwei Widersprüche bei der Krankenkasse, heftige Telefonate mit Sachbearbeitern und zermürbende Wartezeiten.  Solange hat es gedauert, bis ich die stationäre Therapie antreten konnten. Eine Therapie, die mir vielleicht das Leben rettete.

Den Kampf wiederum habe ich nur gewonnen mit der fachlichen Unterstützung zweier Ärzte, zweier Traumatherapeuten, der Trauma-Klinik, einem guten Anwalt im Medizinrecht und einer Trauma-Ambulanz der hiesigen Uni-Klinik. Atteste und Schreiben von all diesen waren nötig, um die Krankenkasse endlich zu überzeugen, dass ich die - und genau diese - Therapie benötige. Seelisch wurde ich unterstützt von wunderbaren Freunden und Bekannten, einem Pastor und meinem Mann, der mich immer wieder aufbaute... und doch wollte ich zwischendurch das Handtuch werfen.

Und wie so oft frage ich mich, wie viele Menschen diese Unterstützung nicht haben bzw. sich auch keinen Anwalt leisten können, wie viele Menschen zwischendurch aufgeben, weil ihnen einfach die Kraft zum Kämpfen fehlt. Und ich bin immer noch der Meinung, dass dies nicht sein darf.

Obwohl ich aktuell zwei Bekannte nennen kann, die wieder um die stationäre Intervalltherapie kämpfen. Die Traumaklinik hat ihnen einen Platz zugesagt - das allein ist schon ein kleines Wunder. Aber dann ist da wieder die Krankenkasse, die einen abschlägigen Bescheid erteilt. Die Absagen ähneln sich. Frau kennt sie schon. Und so geht das Spiel weiter: Widerspruch, Anwalt etc. etc. Die Zeit rennt, und meist dauert es Monate über Jahre, bis eine endgültige Entscheidung - notfalls vor dem Sozialgericht - getroffen wird. Wie oft und wie viele Patienten zwischendurch aufgeben, weiß ich leider nicht. 

Ich persönlich stehe zurzeit wieder vor der Notwendigkeit, die stationäre Intervalltherapie zu beantragen (für komplex Traumatisierte wird eine Intervalltherapie von zwei bis drei Aufenthalten innerhalb von einigen Jahren empfohlen). Obwohl ich weiß, dass ich auf die Unterstützung vieler Menschen zählen kann, ist die Angst vor dem Kampf mit der Krankenkasse wieder groß. Diese ist so groß, dass ich am liebsten auf die notwendige Behandlung verzichten würde - obwohl ich weiß, wie wichtig sie für meine weitere Gesundung ist.

Auch hier stellt sich die Frage: Wie vielen Menschen geht es so? Und wie viele verzichten dann wirklich auf den Antrag? Auch das weiß ich nicht. Ich kenne nur die Ängste und Zweifel meiner Bekannten.

Ein Fazit kann und mag ich heute nicht ziehen. Es soll nur ein Einblick sein in einen Bereich des Gesundheitssystems, den ich - nett ausgedrückt - nicht so toll finde. Und mit dem ich und andere ziemlich zu kämpfen haben...

Weiteres demnächst. Der Antrag auf die Intervalltherapie wird vermutlich noch in diesem Jahr von seiten der Traumaklinik gestellt; diesen Schritt übernimmt diese für mich. Was dann folgt, wird hier bestimmt demnächst zu lesen sein. Erfahrungen werde ich wieder einige sammeln...


28 Kommentare

Standard-Benutzerbild

[Kommentar auf Wunsch des Autors gelöscht.]

Standard-Benutzerbild

Hallo,

was Sie schreiben, kommt mir sehr bekannt vor. Leider kenne ich einige Mit-Betroffene, denen es ähnlich geht.

Darf ich fragen, in welche Trauma-Klinik Sie gehen wollen - und mit welcher Begründung die Kostenübernahme bisher abgelehnt wurde (ein wenig kenne ich mich aus, evtl. kenne ich eine gute Alternative)?

Es ist wahr - gerade wenn man krank ist, ist Kraft für den Kampf kaum übrig.

Daher:
Geben Sie nicht auf! Lassen Sie für sich kämpfen - und geben Sie ab, damit Sie die Distanz einhalten können, die notwendig ist, um vieles nicht zu persönlich zu nehmen.

Wenn irgendmöglich, sagen Sie gegenüber Ihrer Ärztin und dem Psychologen ehrlich, dass Sie hier Unterstützung benötigen. Eventuell gibt es auch Alternativen in einer Akut- oder Rehaklinik - und wenn es nur zur Überbrückung ist...

Haben Sie denn bereits eine Zusage von der Traumaklinik, oder gab es hier schon ein Vorgespräch? Eventuell kann diese Sie auch unterstützen.

Und: Überlegen Sie sich auch, ob Sie einen Anwalt hinzuziehen wollen und können.

Bzgl. des Gutachtertermins. Erst einmal gut, dass Sie einen bekommen haben bzgl. der Klinikfrage. Dies ist nicht selbstverständlich. Oft wird vom Schreibtisch aus entschieden.

Ein Tipp am Rande: Lassen Sie sich zum Gutachter begleiten. Denn teilweise können diese Termine extrem anstrengend und belastend sein. Selbst wenn die begleitende Person nicht bei der Untersuchung dabei sein kann, ist sie dann da - auch für die Zeit danach.

Ich drücke Ihnen die Daumen!!!!

Standard-Benutzerbild

Hallo Leidesgenosse,

ich wollte ein wenig Mut machen!!

So wie ich aus Ihrem Beitrag lese, geht es bei Ihnen um eine Reha. Korrekt?

Dann ist eine erste Ablehnung inzwischen völlig üblich; zumindest kenne ich dies aus dem Bekanntenkreis. Selten kommt sofort eine Zusage. Und ein anschließender Gutachtertermin ist da schon ein gutes Zeichen.

Denn wenn die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, ist eine Reha ja auch u.a. dazu da, diese zu überprüfen bzw. ein Urteil abzugeben.

Leider mahlen die Mühlen langsam. Ich selbst bin auch oft baß erstaunt, wie viel Zeit vergehen kann, bis manches entschieden wird.

Also: Geben Sie nicht auf! Der Januar kommt - und dann sind Sie schon einen Schritt weiter!!!


MT  Standard-Benutzerbild

Guten Tag

zu diesem Thema und dem zuvor benannten Text kann ich nur sagen,das ich diese Aussagen voll und ganz unterstütze.Ja,es ist die bittere Realität,nämlich das die medizinische Versorgung in diesem Gebiet unzureichend ist.Aus eigenen Erfahrungen kann ich das unterstreichen und deshalb habe ich selbst eine Aktion darüber gestartet,um auf das Thema aufmerksam zu machen.
Man kann kaum glauben,das in Deutschland Menschen solche Hürdengänge absolvieren müssen und das obwohl es Ihnen nicht gut geht.Da muss sich entscheidend etwas bewegen und ändern.Menschen, die unter einem Trauma oder Postrauma leiden,erhalten oft nicht die richtige Behandlung,allein schon weil sie unter Umständen Jahre zuvor,also bei einem Trauma, was in der Kindheit schon vorlag,aber nie erkannt wurde unter posttraumatischen Belastungen leiden können,die oft erst, wie bei sexuellem Missbrauch erst Jahre später in Erscheinung treten,auch dann kann dies vorübergehend ein akutes Trauma darstellen.Die richtige Hilfe zu finden ist dann schwer.Hinzu kommen auch oft neue Traumatisierungen durch unsachgemäße Behandlungen.Mittlerweile gibt es aber Hoffnung,zumindest was das akute Trauma anbelangt.Die Traumaamulanzen, die z.B.in NRW hervorragend vernetzt sind.
Für Antragstellungen für eine Reha oder auch Akutbehandlungen in Kliniken ist die Versorgung aber nach wie vor unzureichend.Wenn man Kinder hat,ist es noch schwerer,weil die bürokratischen Hürden noch nicht gesprengt wurden.
Bei Interesse lesen Sie bitte auf meiner Website weiter
Ich wünsche jedem Menschen eine gute Behandlung.

MFG Christina Rößler

Standard-Benutzerbild

Liebe Frau Rößler,

danke für Ihren Beitrag - und die Erfahrungen, die ich teilen kann. Ihre Website habe ich mir angeschaut, und kann Ihnen für Ihr Engagement nur danken!

Ich selbst leide auch unter lang zurück liegenden Traumata - und daher an den Folgestörungen. Immens schwierig, fast unmöglich scheint es zu sein, den Krankenkassen zu erläutern, dass hier nicht jede Klinik geeignet ist...

Nun denn; aktuell schreibt "meine" Trauma-Klinik nun den Antrag auf die Fortsetzung der Intervalltherapie in diesem Sommer. Was daraus wird, wird demnächst hier zu lesen sein.

MT  Standard-Benutzerbild

Guten Tag

bitte schreiben Sie doch auch über meine Seite um Ihre Erfahrungen mitzuteilen,das ist hilfreich.
Ja, ich kenne sehr viele denen es so ergeht,deshalb muss man etwas ändern.
Würde mich über eine weitere Kontaktaufnahme freuen.

LG Christina Rößler

MT  Standard-Benutzerbild

Hallo

lieben Dank für den Beitrag,kann noch viele brauchen.Will auch mit einer Online Petition beginnen und würdemkich auch dort über eine Teilnahme freuen.Sag dann Bescheid.

LG Christina

Standard-Benutzerbild

Hallo,

werde noch mehr schreiben, wenn ich die Kraft und Zeit dazu finde. Finde die Site sehr wichtig und gut - danke nochmals! Und mich werden Sie dabei haben!

Herzlich, Fee

Standard-Benutzerbild

Hi,
kennt jemand die u.a. Initiative näher? Ist sicherlich in allererster Linie für den Akutfall gedacht, weniger für die "Langzeit-Geschädigten", wie ich uns gern mal zynisch nenne - aber es ist immerhin ein kleiner Lichtblick, oder?

http://www.migg-frauen.de/

MT  Standard-Benutzerbild

Hallo

danke für den Hinweis.Ja,es hört sich danach an,aber viel schwieriger ist es ja gerade bei chronischen Traumen.Wichtig ist,das alle Ärzte,einschliesslich Hausärzte sich beteiligen müssen und auch insbesondere Frauenärzte,das Projekt zielt eher darauf ab,das es freiwillig geschieht,also für die Ärzte sich dem Modell anzuschliessen,umso mehr wird eine Frau gefordert sein,sich lange zu informieren.
Die gravierenden Folgen sind dort wenig berücksichtigt,nämlich die Hürdenläufe mit den Behörden ,wie Versorgungsamt,JobCenter,Arbeitsamt,Rententräger etc.
Sicher ist jeder Fortschritt und sei er noch so klein ein Erfolg für das Gesundheitssystem,aber man müsste noch viel mehr alles miteinander verbinden,Modelle ausbauen.
Das Projket ist gut,wenn dort gute Adressen von Praxen angegeben werden können,die das Modell durchführen.

LG Christina
es gibt viel zu tun

Standard-Benutzerbild

Hallo,

dem "es gibt viel zu tun" stimme ich voll zu; insbesondere bei den Chronisch Traumatisierten, wie Du schreibst.

Leider habe ich selbst bei einer kirchlichen Beratungsstelle für Frauen mit Gewalterfahrungen die Erfahrung machen müssen, dass diese sich zwar sehr genau auskennen, wenn akut Gewalt droht etc. Aber mit den Frauen, die vor langer Zeit traumatisiert wurden, und darunter gesundheitlich heute leiden, wollten sie nicht so viel zu tun haben. Das würde ihren Rahmen sprengen... Tat weh.

Ich bin zurzeit eher ernüchtert,
u.a. weil unter den 80 Krankheiten, die für den Morbiditätrisikosausgleich gelten, z.B. weder die Posttraumatische Belastungsstörung noch deren Folgestörungen (dissoziative Störungen etc.) wirklich dazu gehören... Hier wird das Denken in den Behörden noch einmal deutlich.

Und ich sehe für den zweiten Schritt meiner Intervalltherapie in der Traumaklinik schwarze Wolken aufziehen. Halte hier alle auf jeden Fall auf dem Laufenden, und hoffe, dass ich demnächst wieder mehr Kampfgeist besitzen werde!

Herzlich, Fee


MT  Standard-Benutzerbild

Hallo

was du beschreibst ist denke ich in den Beratungsstellen kaum zu leisten,wäre aber denkbar.Zu erwarten wäre das an den professionellen Stellen,wo man sich jedoch oft im Kreis dreht,bevor erst einmal ein Termin frei ist und dann muss ja die Chemie des Behandlers und Patienten stimmig sein.Was ich weiss ist,das viele jedoch gerade an solchen Stellen erst einmal überhaupt Anlauftstellen vorfinden,wo sie sich austauschen können oder eine erste Beratung vorfinden,was nicht zu unterschätzen ist,aber es stimmt,das es für die chronsichen Fälle
sicher auch nicht unbedingt der richtige Ort ist oder man müsste in Ambulanzen,die es nicht überall flächendeckend gibt,das Programm erweitern.Die Schwierigkeit für chronische PTBS liegt in der Begutachtung der ersten Diagnose.
Ich kenne das alles in Bezug auf die weiteren Begutachtungen etc.,wo noch viel Unwissenheit herrscht.
Es würde mich interessieren,in welcher Klinik du bist,warst,aber du musst das nicht hier schreiben,wenn du nicht magst,geht auch über meine Seite unter Kontakt.

Freue mich auf deine Rückantwort
LG von Christina

arbeitest du denn dort garnicht mehr?

MT  Standard-Benutzerbild

Liebe Fee

wenn es dir nichts aus macht,deshalb voher die Anfrage,dann kannst du deinen Bericht bei Behandlungen unter den Empfehlungen schreiben,hatte ich ganz vergessen zu sagen.
Werde dir dann auch einiges dazu schreiben,Erfahruing Heiligenfeld.

Bei Nachfragen kannst du dich gerne wieder an mich wenden

Schönes WE

LG Christina

MT  Standard-Benutzerbild

Liebe Fee

du,ich muss sie erst wieder neu erstellen,hab grad gesehen,das ich diese bei Neuerstellungen wohl gelöscht hatte.
Sag sofort Bescheid,wenn diese wieder funktioniert.

LG Christina

MT  Standard-Benutzerbild

Liebe Fee

bins nochmal.
Also,unter dem Stichpunkt Behandlungen kannst du dich unter Empfehlungen eintragen.
Da kann dann jeder einen Bericht erstellen über seine Erfahrungen.

Lieben Dank
Christina

Standard-Benutzerbild

Hallo

Was soll ich da sagen? Oben beschriebenes ist derzeit das, was mein Leben definiert. Oder das, was man so nennen möchte.
Ich bin selber (komplex) traumatisiert. das allerdings war eine psychiatrische Einschätzung, die nicht auf eine nähere Untersuchung beruht.

2 stationäre (nein, 3...) brachten keinen Erfolg. Die Begründung liegt wohl alle male in einer falschen Diagnose. Ich HABE faktisch keine eindeutige Diagnose. Aber ein kompexes Trauma ist das, was bleibt.

Ich bin seit 10 Jahren erkrankt. Und habe in der Zeit kaum (Jahre lang gar nicht) das verlassen können. (Panikstörungen, Blackouts... ich möchte nicht alles aufzählen)

Das Problem ist: Es wird gesagt, man habe dieses und jenes. Daraufhin wird eine Standardbehandlung (die bei vielen helfen mag) durchgeführt. Schlägt diese fehl, fällt man durchs Raster und ist am Ende verloren.

Ich kämpfe (mit Anwalt zuletzt) seit über 1 Jahr (oder sind es 2? Die Zeit verliert irgendwann die Bedeutung) darum, das ich nur amtlich als "Geldempfangsberechtigt" anerkannt werde. Es geht nur darum, nur allein deswegen schon, das der Rententräger HER kommt für die Untersuchung.

Ein paar Fakten: Psychiater habe ich keinen. Keiner würde jemals einen Hausbesuch machen. Dies ist, was Anwälte und Psychiater selbst sagen.
Der sozialpsychiatrische Dienst (mit dem ich seit vielen Jahren zusammenzuarbeiten versuchte) hat mich auch fallen lassen.

Selbst wenn es (mal wieder) irgendwie (und keine Ahnung, wie das gehen soll) nochmal dazu käme, mich einzuweisen, endetet es sich wieder in einer Katastrophe.
Behandlungen würden wieder nicht anschlagen, Medikamente würden wieder nicht wirken, und nach 2 Monaten würde ich besten falls (wie bisher üblich) als behandlungsunfähig (und unwillig, und was man mir sonst noch vorwarf nebst Drohungen) "gegangen werden".

Es ist ein Teufelskreis. Ein entrinnen scheint es nicht zu geben. Da jede Behandlung bisher immer alles schlimmer machte... Ich weiß nicht.

Was soll man da auch tun, um dem Teufelskreis zu entrinnen) Keinen scheint es zu kümmern. Entweder irgendeine Standardbehandlung in einer örtlichen Psychiatrie funktioniert (und das ist das einzige, was ich erwarten könnte... wieder und wieder...), oder man hat eben Pech gehabt.

Ich bin 28, in Herrgottsnamen. Meine Abitur und Studium wurden ruiniert. Und statt einem erfolgreichen Architekt, bin ich nun ein Arbeitsloser chronisch kranker Sozialhilfeempfänger mit einem IQ von 142, der permanent zu Hause ist und dessen Tag daraus besteht, Angst davor zu haben, das "es" (was auch immer, ich mag es nicht beschreiben) wieder losgeht.

Entschuldigt. Es klingt wehleidig. Aber ich habe wirklich gekämpft. 10 Jahre lang. Gegen alle Widerstände. Ich saß nie in der Ecke "Egal, wird eh nichts". Aber irgendwann ist es genug.
Warum sich stationär behandeln lassen, wenn man niedergemacht, beleidigt und bedroht wird, nur um rausgeworfen zu werden, wenn es einem schlechter denn je geht?

Ok, ich habe genug rumgeheult. So viel wollte ich nicht schreiben. Ich wollte nur klar machen, wie gut ich das alles nachvollziehen kann.

Liebe Grüße, und danke für ihren Beitrag, der doch zeigt, das man nicht (immer) ganz unverstanden ist.

Liebe Grüße,

Michael

Standard-Benutzerbild

Hallo Michael,

es tut mir sehr Leid, dass Sie so viele schlechten Erfahrungen in der Behandlung erfahren mussten.

Aber bitte geben Sie nicht auf; ich bin mir sicher, es gibt da einen Weg.

Wenn Sie schreiben könnten, wo Sie wohnen, könnte ich Ihnen eventuell eine der stationären Trauma-Einrichtungen nennen, die sich vor allem mit komplexen Traumafolgestörungen auskennen.

Wobei ich jedoch bemerken muss, dass diese meist die Patienten/-innen erst aufnehmen, wenn sie eine gewisse Stabilität erworben haben. Die Einnahme von Benzodiazepinen ist in der Regel daher nicht bzw. nur selten gestattet. Stattdessen wird mit "Skills", Aromen etc. gearbeitet, um z.B. aus Panikanfällen herauszukommen. Ein Buch, das hier einen guten Einblick bietet, ist z.B.: Michaela Huber: "Trauma und Traumabehandlung 2. Wege der Traumabehandlung (Taschenbuch)".

Aber vielleicht können Sie in der einen oder anderen Klinik ja mal anrufen, und in der telefonischen Sprechstunde bzw. über Internet einiges erfragen oder klären. Trauen Sie sich!

Eine Website, die eine Liste von Trauma-Kliniken beinhaltet, möchte ich hier noch aufführen:
http://vielfalt-info.de/pageID_4542571.html

Vielleicht informieren Sie sich dort noch einmal über weitere Hilfsmöglichkeiten?

Dass Sie das Haus nicht verlassen können, tut mir Leid. Inwieweit Sie daher mit Medikamenten versorgt werden - und wie viel Versuche Sie hier schon unternommen haben, kann ich nicht beurteilen. Genauso wenig, inwieweit Sie sich bereits über das Thema "Betreutes Wohnen" Gedanken gemacht haben - was eventuell auch ein Ausweg wäre aus der Misere.

Wie gesagt, bitte geben Sie nicht auf, und - auch nach den drei Fehschlägen in der örtlichen Psychiatrie - bitte starten Sie neue Versuche, um eine Heilung bzw. Linderung zu finden. Haben Sie den Mut, an Ihrer Stabilisierung zu arbeiten und damit Ihren Panikanfällen Schritt für Schritt etwas entgegensetzen zu können. Es ist harte Arbeit, aber einiges können Sie auch allein machen - ohne Therapeut, ohne Psychiater. Damit können Sie heute schon anfangen.

Wenn ich Ihnen zwei CDs empfehlen darf von den beiden herausragenden Traumatherapeutinnen in Deutschland, die Ihnen helfen können:

a) Luise Reddemann:
Imagination als heilsame Kraft. Hör-CD mit Booklet. Übungen zur Aktivierung von Selbstheilungskräften

b) Michaela Huber:
Der innere Garten: Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung (Taschenbuch und Hör-CD)

Mit herzlichen Gruessen, Fee


Standard-Benutzerbild

Hallo Fee.
Liebe Dank für die lange Antwort und den Zuspruch.

Ich glaube, dass die Panikattacken nur ein kleines Symptom ist. Sicherlich das vorstehenste, weil es am Häufigsten und Hinderlichsten ist.

Da meine Krankheit über viele Jahre geht, kam immer mehr. Dinge haben sich vermischt, verschlimmert, verschoben.
Bei meinem ersten stationären Aufenthalt wurde eine Agoraphobie vermutet. Daraufhin wurde ich behandelt und medikamentös versorgt. Leider ohne Erfolg.
Mein zweiter stationärer Aufenthalt war im Alexianerkrankenhaus in Aachen. Die dortige "Diagnose" war Borderline mit psychotischen Einflüssen. Die Therapien machten eigentlich alles schlimmer. Medikamente, selbst die starken, zeigten keine Wirkung.
Dort war es auch, wo man mir Dinge sagte wie "Sie spielen nur, das alles macht ihnen Spaß..." nachdem ich "vertrauensvoll" (wobei ich eig nicht schnell vertraue. Aber man will ja seine Mitarbeitsbereitschaft zeigen) an eine Schwester wandte, als ich mich in einem Blackout verletzte.
das, freilich, hat mein ohnehin sehr schlechtes Bild von Ärzten/Pflegern bestätigt.

Meinen dritten Aufenthalt verbrachte ich dann Anschließend in einer geschlossenen, zur "Medikamentösen Stabilisierung". Keine Therapie, nur die Angst airgendwie auf einen bestimmten Level drücken und wirksame Medikamente finden. Ich bekam auschließlich starke Medikamente (Diazepam, Lorazepam) in hohen Dosen.
Zu der Zeit hatte ich schon starke Halluzinationen und Psychosen. Das, nach einer letzten Meinung, waren medizinisch gesehen keine Psychosen, sondern "vom Gehirn zum Schutz überlagerte Flashbacks".
Ich litt sehr stark an extrapyramidalen Nackenversteifungen. Ein Gegenmittel bekam ich nur einmal, und das half nicht. Die Medikamente setzten mich körperlich Schachmatt, aber nicht geistig. Irgendwann war es so schlimm, das ich mich auf eigene Verantwortung entlies.

Allein, mich lebendig bis dort zu bekommen, erforderte eine ganze Wagenladung Leute. Einmal ein Neurologe, um mich medikamentös zu beruhigen. dann war da eine Kollegin von ihm, eine Frau vom Amt (zur Kontrolle? Ich weiß nicht recht, warum sie dabei sein musste) und 2 Pfleger (falls ich denn doch ausrasten sollte).
Die ersten 25mg Diazepam intravenös zeigten keine Wirkung. Nach einer nächsten Dosis gleicher Menge war ich 2 Minuten bewusstlos, aber dann wieder fit. 50mg Diazepam intravenös scheinen mich ca 1 Stunde ruhig zu stellen, relativ. Zumindest stieg ich freiwillig in den Krankenwagen, der mich "eskortierte".

Einmal rief ich nochmal eine Klinik an (wieder das Alexianer, welch grandioser Fehlschlag). Diesmal gleich auf der dortigen Krankenstation. Ergebnis nach 5 Anrufen: "Unser Programm halten sie nicht durch. Sie sind hier falsch. Sie müssen erst auf eine geschützte Station".

Seitdem ist nichts mehr passiert. Die Panikattacken bleiben, aber die Flashbacks sind derzeit weg. Ich habe das immer Phasenweise (mal Monate kaum was, und dann ist es wieder für Wochen oder Monate sehr schlimm).

Ich meine: Keiner kann sagen, ich hätte nichts getan. Immerhin ist immer alles auf meine Intention geschehen. Wenn auch erfolglos.
Ich würde nichtmal sagen: Nichts kann helfen, ich bin tot. Sowas wäre Unsinn.
Ich finde nur nicht die Therapie/Klinik, die gerade mir, mit gerade meinen Problemen, und mehr auf mich angepasst, helfen kann.

Was auch hinderlich ist: Dieser Gedanke "nach 2 Monaten muss ich gesund/stabil sein, weil ich dann rausgeworfen werde. Ich werde gehen müssen, egal wie es mir dann geht. Und hilft es bis dahin nicht, ist es allein meine Schuld, nicht die der Klinik.". Dieser Druck von oben. Das blockiert einfach alles. Wenn ich nur mehr Zeit hätte... Ich würde ja arbeiten. Habe ich ja immer auch.

Gibt es denn sowas wie Rehakliniken mit Schwerpunkt komplexe PTBS? Und, wie sinnvoll wäre das überhaupt? Und die Kosten?
Ich bin einfach völlig in der Schwebe. Es ist schwer, eigenverantwortlich aus dem Internet alle Information zu ziehen, die hilfreich sein mögen oder auch nicht.

Vielen Dank für ihre Links und Informationen. Ich werde sie mir bald genau anschauen.

Ich hoffe, niemand fühlt sich durch meine überlangen Texte gestört. Es ist einfacher, Dinge begreiflich zu machen, wenn sie ausschweifender beschrieben sind.

Liebe Grüße,

Michael

Standard-Benutzerbild

Hallo Michael,

das, was Sie erlebt haben, klingt heftig. Und ja, es ist schlimm - gleichzeitig möchte ich jedoch versuchen, Ihnen weiter Mut zu machen! Ich kenne Menschen, die mit ähnlich schweren Symptomen zu kämpfen haben bzw. hatten, und die in kleinen Schritten in Richtung Heilung gehen - auch wenn dies nicht immer leicht ist. Zähigkeit und Durchhaltevermögen wird hier gefragt sein.

Auch wenn die bisherigen Klinikaufenthalte nicht erfolgreich waren, muss ein weiterer Aufenthalt nicht gleich verloren sein.

Und was ich zu Bedenken gebe: Eine chronifizierte komplexe Krankheit in dem Ausmaß kann auch nicht durch einen einzigen stationären Aufenthalt geheilt werden.

Oft ist es eine Sache von Jahren!!! Und oft muss man bzw. frau auch erst eine Verschlimmerung der Symptome in Kauf nehmen, bevor es etwas besser wird. Haben Sie Geduld!

Ich glaube, dass Sie dies auch wissen - auch wenn Sie sich unter Druck setzen, und einen Druck von oben nicht zulassen (übrigens sind Sie ja aus der Geschlossenen Station selbst gegangen, sozusagen auf eigene Verantwortung, oder? D.h. Sie wurden nicht nach zwei Monaten entlassen!!)

Es wird wie in vielen Fällen eine ambulante Therapie, angepasste Medikation, evtl. sozialpsychiatrische Betreuung oder betreutes Wohnen, abwechselnd mit stationären Aufenthalten zur Krisenintervention etc. sinnvoll sein. In den Monaten, in denen es Ihnen gut geht, werden Sie mehr machen können als in den Monaten, in denen es Ihnen schlecht geht. Aber Sie werden in den guten Zeiten Dinge erarbeiten können, die Ihnen helfen in den weniger guten Zeiten. "Schritt für Schritt". Bitte nicht alles auf einmal - dieses Denken funktioniert leider nicht. Das musste ich übrigens wie viele andere auch lernen.

Nach all dem, was Sie schreiben, kann ich Ihnen nur folgendes empfehlen - als selbst Betroffene:

a)
Rufen Sie die Psychiatrien in Ihrer Nähe an, fragen Sie nach Erfahrungen mit den Diagnosen, die bei Ihnen bisher gestellt wurden. Eine Möglichkeit, in Ihrem Zustand erst einmal die richtigen (Bedarfs-)Medikamente zu finden, wäre dann dort gegeben. Denn die sind sicherlich wichtig. Evtl. kontaktieren Sie auch noch einmal den Arzt, der bei Ihnen die komplexe Traumatisierung festgestellt hatte, um diesen um Rat zu fragen. Denn all das, was Sie beschrieben, gehört in die Hände von Fachleuten, Laien können hier von außen wenig Ratschläge geben. Wenn Sie mehr Informationen haben wollen zu komplexer Traumatisierung etc., dann finden Sie in den Büchern von Michaela Huber einige interessante Informationen.

Dass in einer Geschlossenen Abteilung meist keine Therapie gemacht wird, sondern erst einmal medikamentös geschaut wird, was helfen kann, ist übrigens oft üblich soweit ich weiß. Denn in den Phasen, in denen man oder frau sich dort einweisen lässt, würde eine Therapie auch meist nicht sinnvoll sein. Selbst auf einer psychiatrischen Akutstation gibt es nicht so viel Therapie wie z.B. auf einer speziellen Traumastation, reinen Borderline-Station etc. Für die Spezialstationen wird wirklich in der Regel eine gewisse Stabilisierung gefordert. Erst die Medikation und die Sicherstellung, dass der Patient auf eine Therapie überhaupt ansprechbar ist bzw. reagieren kann, dann die Therapie...

b) Eine (psychosomatische) Reha würde ich Ihnen nicht empfehlen. Dort ist in der Regel weniger Pflege, weniger Betreuung, sehr viel Selbstverantwortung und teilweise ein recht hartes Programm - was in Ihrem Fall sicherlich nicht tragbar wäre. Meist gibt es auch die Kontraindikation bei akuten Psychosen - d.h. es müsste vorher abgeklärt werden, inwieweit welche Diagnose stimmt. Und auch wenn es hart klingen mag: Ich glaube nicht, dass Sie rehafähig sind, nach dem was Sie schreiben - allein die Reise dorthin wäre für Sie wahrscheinlich eine Tortur. Aber wenn Sie sich hier noch einmal erkundigen wollen, kann ich Ihnen folgende Reha-Klinik empfehlen: http://www.klinik-waldschloesschen.de/

c) Lassen Sie sich während eines weiteren Aufenthalts durch Sprüche von Pflegern/Pflegerinnen etc. bitte nicht aus dem Konzept bringen. Diese sind auch nur Menschen, und machen Fehler. Denn Sie kämpfen für sich, nicht für andere. Und auch wenn dies nun hart klingt: Gegenüber Borderlinern bestehen nun mal auch bei den Pflegekräften sehr viele Vorurteile - auch durch schlechte Erfahrungen. Was Sie in einem solchen Fall tun können: Handeln Sie "erwachsen", sagen Sie der Pflegerin, dass Sie nicht "spielen". Bleiben Sie bei sich, denken Sie daran, dass Sie der Pflegerin nicht gefallen müssen, sondern für sich und ihre Gesundung kämpfen.

Nun habe ich viel geschrieben, hoffentlich ist etwas brauchbares für Sie dabei.

Und auch wenn es hart klingt: Ich glaube, dass Sie trotz Ihrer heftigen Panikattacken Dinge wagen müssen, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Die Selbstverantwortung übernehmen müssen, für sich zu sorgen - und wenn es der erste Schritt wäre, sich wieder in eine Geschlossene Station einweisen zu lassen, um weiter nach einem geeigneten Medikament zu suchen - gemeinsam mit den Ärzten.

Viel Glück, viel Kraft und Mut, Fee

Standard-Benutzerbild

Hallo Fee

Ich denke, das Sie mit all dem, was sie sagen, recht haben. Natürlich sind das Erkenntnisse, die ich auch gemacht habe, bzw Ansichten. Die Objektivität ist natürlich nicht immer vorhanden.

Ja, mir wurde mal gesagt, das ich nie wieder 100% gesund (dummes Wort, aber sie verstehen mich) werde. Also, spontane Konzerte, oder bestimmte Arbeitsplätze werden nicht möglich sein.
Es geht im Grunde auch nicht um Gesundheit, sondern um Lebenfähigkeit, bzw Stabilität.
Weiß ich, in welchen Situationen was bei mir ausgelöst wird und wann, kann ich darauf reagieren. Ich habe vllt, wenn auch nur kleine, Abwehrmaßnahmen.
Der Grundstein zu alledem fehlt eben.

Es ist bedauerlich, das ich selbst auf starke Medikamente nicht anspreche. Natürlich muss man immer probieren, was in welcher Kombination wirkt. Ist wohl immer so. Irgendwas muss helfen, bei mir muss man vllt mehr experimentieren, möglich.

Was ich möchte, was ich mir erhoffe, als Basis, sind wirksame Medikamente, die mich in einem gewissen Rahmen ruhig halten. Etwas, das mir ein Mindestmaß an Freiheit gibt. Die Möglichkeit, rauszugehen und eine ambulante Therapie machen zu können (wenn dies dann sinnvoll ist).
Das wäre wohl der erste Schritt.

Stimmt, aus der "geschützten" Abteilung ging ich eigenverantwortlich. Es ging mir permanent schlechter (subjektiv), und ich ertrug es nicht mehr. Das dies vorbereitend auf eine halboffene Station sein sollte, stimmt natürlich.

Die Ärztin kam nur einmalig begleitend mit dem Mann vom sozialpsychiatrischen Dienst.
Ich denke, der wirklich einzige Schritt ist, mich irgendwie zu einem Psychiater in der Nähe zu schleifen. Alles andere ist einfach sinnlos. Am Ende sind auch alle Anrufe nicht hilfreich. Helfen kann man mir nur, wenn ich 1 zu 1 dort stehe und versuche, mich begreiflich zu machen.

Ja ja, die Reha. Natürlich, es wäre wohl nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Ich weiß natürlich nicht, wie eine Reha in diesem Bereich aussähe. Aber bevor sowas gemacht werden kann (wenn überhaupt notwendig), müsste wieder eine Stabilisierung erfolgen. Und die macht man, ganz richtig, woanders.

Es ist frustrierend, wenn man sich aufrappelt, um seinen Weg in einer Klinik zu machen, und dann nicht ernst genommen wird. So beengt zwischen Menschen, das ist der reine Horror. Das ist kein Spaß, nichtmal annähernd.
Klar, es sind Menschen, auch die können einen schlechten Tag haben. Aber wenn man psychisch erkrankte, oft labile, suizidgefährdete (was bei mir nicht der Fall ist) Menschen so angreift, kann das schwere Wunden reißen.

Ich denke, ich werde irgendwie versuchen, meinen Weg zu einem Gespräch bei einem Psychiater zu finden. Am Ende ist das das Einzige, was bleibt und sinnvoll ist.
Wie das gehen soll, weiß ich noch nicht. Aber nur dort kann ich mehr heraus finden.

Liebe Grüße und nochmal danke für den Zuspruch.


Michael

MT  Standard-Benutzerbild

Hallo Michael

habe heute Ihren Text gelesen.
Es gibt viele Betroffene,die Ähnliche Gechichten haben wie Sie.Die Vorrednerin hat Ihnen ja schon einige Tipps gegeben.
Es ist allerdings zu sehen und wofür ich eintrete,das es den Betroffenen im Sozialsystem erschwert wird,oft über Jahre hinweg mit diesen Problemen alleine dazustehen,nämlich dann wenn Sie nicht den geeigneten Traumatherapeuten oder die geeigente Traumatherapie auf einer Station finden könnnen oder die Kosten nicht getragen werden.Es scheint schon fast als hingenommen in Deutschland,das diese,ich sage mal Zustände,normal sind.Das ist es,was mich persönlich stört.Sie haben ja vielleicht die Punkte auf der Seite gelesen.

Schlimm finde ich bei Ihnen,das man anscheinend den Menschen bis hin zu einer geeigneten Therapie in geschlossen Anstalten oder gar Wohngruppen halten soll und sich demnach keine anderen Wege finden.Ich wünsche Ihnen viel Glück.
Was haben Sie mittlerweile gemacht,gab es eine Lösung für Sie?

Freundliche Grüße
Christina Rößler
www.traumaaufruf.de


Standard-Benutzerbild

ich habe die vorangegangen kommentare mit großem interesse gelesen.
ich selbst bin betroffene und vor mir liegt der letzte schwere gang - die traumatherapie. seit jahren habe ich mehrere stationäre therapien hinter mir und bin seit vielen jahren in ambulanter therapie.

im frühjahr habe ich bei der drv bund antrag auf medizinische reha gestellt, welche auch bewilligt wurde.
doch leider wurde meinem wunsch der gewählten klinik nicht entsprochen, dem wunsch nach einer klinik mit einem profilierten traumakonzept (in meinem fall: klinik am waldschlösschen in dresden), welches der komplexen traumatisierung entspricht. nun bin ich hin- und hergerissen, ob ich in die mir vorgeschlagene Klinik fahre oder noch einen dritten anlauf in form eines erneuten widerspruches (mit einer begutachtung) starte. doch wie auch in einigen meiner vorgängerkommentaren erwähnten psychischen zusatzbelastung durch den langen weg (antrag stellen - ablehnung - widerspuch - klinikvorschlag - widerspruch - änderungswunsch - widerspruch....) leide auch ich darunter, zumal ich mich derzeit noch in einer beruflichen reha befinde, deren hauptziel (wiedereingliederung ins arbeitsleben) nur durch eine fundierte traumatherapie zu erreichen ist.

wie kann ich der drv bund stichhaltig begründen, dass nur eine Klinik mit einem speziellen traumakonzept für eine "gesundung" (welch ironie) in frage kommt und nicht eine x-beliebige, die nichteinmal eine traumaklinik ist und dazu kein spezielles traumakonzept bietet?

ich bin verzweifelt und möchte nicht einfach 6 wochen "auszeit", ohne den eigentlichen grund der antragsstellung zu bearbeiten.

vielen dank im voraus für unterstützung

yvi

Standard-Benutzerbild

Liebe Yvi,

puh... das klingt nicht so leicht. Und es ist auch nicht so einfach, in Deinem Fall so schnell und gut Rat zu geben, ohne Details zu kennen. Daher stelle ich lieber ein paar Fragen, damit Du einiges für Dich überprüfen kannst:

a) In welche Reha-Klinik sollst Du denn gehen? Hast Du mit diesen bereits einmal Kontakt aufnehmen können, inwieweit sie Dich behandeln können und wollen?
b) Hast Du eine Therapeutin, eine/n Psychiater/in oder Neurologen/in, einen Hausarzt, der/die für Dich Atteste schreiben für die Reha-Bewilligung? Was sagen denn diese dazu? Letztlich wird ihr Wort mit entscheiden. Deine Erläuterungen werden letztlich weniger auswirken, sondern eher deren.
c) Warst Du bereits bei einem Gutachter wegen der Reha?
d) Aufgrund welcher Diagnosen wurde Dir eine Reha bewilligt? Anmerkung: Denn überhaupt die Bewilligung ist ja schon ein großer Schritt!!!
e) Was willst Du in einer Reha erreichen? Unter welchen Beschwerden leidest Du am meisten?
f) Hast Du denn juristisch überhaupt noch die Möglichkeit, einen weiteren Widerspruch einzulegen? Hast Du Dich hier juristisch beraten lassen?
g) Ist Dir klar, dass bei einer komplexen Traumatisierung (die ja leider immer noch nicht in den ICD 10 vorhanden ist) in der Regel nicht eine Reha ausreicht?
h) Könntest Du die genannten Therapien in der vorgeschriebenen Klinik wahrnehmen? Also z.B. Gruppentherapie...

Fragen über Fragen... aber ich hoffe, sie bringen Dich ein wenig weiter.

MT  Standard-Benutzerbild

Liebe Yvi

zwecks der Rehaklinik am Waldaschlösschen konnte ich damals erreichen, das diese von dot aus auch direkt Rehaaaträge schreiben.Bitte wenden Sie sich dort hin und fragen nach. Diese würden Sie dann dabei unterstützen.

Freundliche Grüße
Christina Rößler
www.traumaaufruf.de

Standard-Benutzerbild

Man man man wenn ich das so lese könnt ich mal eben voll aus der hose fahren vor wut,traurigkeit,entäuschung,usw wenn man zusehen muss wie jemand den man liebt an so nem scheiss trauma schritt für schritt kaputt geht und so ne pfeife von psychoarzt in klinik da steht und nur blöde kuckt weil (keine ahnung) von trauma versicherung mehrt sich nicht aus monate später hunderte anrufe nix passiert antrag liegt da rum und staubt ein hm und da sollst nicht ausklingeln aber wehe du zahlst mal nicht K.versicherung da sind sie gleich wach pfffff

Standard-Benutzerbild

Hallo an alle meine Vorredner...

mich würde bei vielen von Euch interessieren, wie es weiterging. Wir haben ja jetzt 2017.

Wir, mein Mann vor allem, haben den Weg nun vor uns und die Traumatherapie wurde einmal wegen Instabilität abgelehnt. Danach wurde mein Mann stabilisiert und ein neuer Antrag gestellt und wieder abgelehnt. Im November sind seine 78 Wochen Krankengeld um und nun kam die Begründung der RV, dass eine Behandlung stationär über die KK mit Traumatherapie ausreichend ist. Diesen Satz verstehen wir gerade nicht. Mein Mann war durchgängig stationär 9 Monate in der psychatrichen Klinik und jetzt ambulant in der Institutsambulance.

Ich weis nicht weiter und er ist derzeit nicht in der Lage, sich damit auseinanderzusetzen.

Euch allen viel Kraft

Standard-Benutzerbild

Liebe Bärbel,

ja, viel Zeit ist ins Land gegangen.

Es tut mir leid, dass Dein Mann nach wie vor Probleme hat. Gleichzeitig bin ich froh, dass er immerhin in der Institutsambulanz ambulant Ansprechpersonen hat.

Die RV versucht natürlich, die Kosten abzuwälzen auf die Krankenkasse. Gleichzeitig ist es gut möglich, dass es für Deinen Mann sogar besser ist, wenn er über die Krankenkasse in eine psychiatrische/ psychosomatische Klinik mit Schwerpunkt Traumatherapie gehen kann.

Denn bei den Rehas sind inzwischen Zeiträume über vier bis sechs Wochen kaum mehr möglich.

Gleichzeitig ist es bei einer guten Traumatherapie, die für Deinen Mann eventuell auch weitere Stabilisierungsschritte enthalten würde, manchmal gut, länger zu bleiben.

Oder war Dein Mann in der psychiatrischen Klinik auf einer schwerpunktmäßigen Traumastation? Das wäre sehr wichtig zu wissen...

Mir stellt sich natürlich die Frage, wie es für Deinen Mann weitergehen soll nach den 78 Wochen Krankengeld? Denn dann wird er ja ausgesteuert und es wird über das Jobcenter laufen etc. etc.

Das spielt natürlich auch eine Rolle. Habt Ihr denn einen Rentenantrag gestellt? Mit einem Rentenantrag zwingt Ihr die Rentenversicherung eigentlich, zu überprüfen, ob Dein Mann noch arbeiten kann oder nicht... und das passiert eben oft in einer Reha-Klinik... wobei hier nicht immer die besten ausgesucht werden.

Oder ist das Thema "Rentenantrag" für Deinen Mann absolut undenkbar?

Bei all dem, was ich schreibe, wird mir klar, wie wichtig es ist, mit den behandelnden Ärzten/ Therapeuten darüber zu sprechen, was sie aktuell als nächste Schritte sehen und wo sie Deinen Mann aktuell sehen - bzw. wo er sich zurzeit sieht.

Denn es geht dann ja nicht nur um eine Reha, sondern v.a. auch um die nächsten Jahre, oder?

Seid Ihr schon im VdK zu dem Thema? Rechtsberatung kann da auf jeden Fall nicht schaden.

Und wenn du magst, schreib' gern, in welchem Postleitzahl-Gebiet Ihr wohnt. Dann poste ich eine Liste von guten Traumakliniken in der Gegend, in die man auch über Krankenkasse eingewiesen werden kann!

Viel Glück, viel Kraft und vor allem Durchhaltevermögen wünsche ich Euch!


Standard-Benutzerbild

Liebe Susanne!

Ersteinmal lieben Dank für Deine Nachricht. Wir wohnen in Leipzig also 04105.

Was inzwischen passiert ist.

Mein Mann war vom 27.9.-1.11.17 in der medizinischen Reha in Bad Gottleuba Bergißhübel bei dresden.

1 Woche vor Entlassung habe ich ihn besucht, er war Mittags phsysich zusammengebrochen,nach einem Gespräch mit einer anderen Patientin... getriggert.

Er bekam 1 Tablette und nach 2 h ging er pflichtbewusst zum Gruppengespräch, nur um anwesend zu sein.

Kurzfassung: er ist voll arbeitsfähig entlassen ausser in seinem derzeit ausgeübten Beruf Schlosser. Und das nach 74 Wo krank und 9 Monaten gesamt Psychatrie. Er bekommt seit 1.12. ALGI wegen Nahtlosigkeit und Erwerbsminderungsrente ist beantragt.

Zurück zur Zeit nach der Reha: Ich war fassungslos, die Psychotherapeutin der PIA auch. Dazu muss ich sagen, dass mein Mann immernoch denkt, er muss alles machen was ihm gesagt wird. Und, er ist nicht fähig spontan das auf Fragen zu antworten, was er denkt und fühlt.
Nach 5 Tagen Zuhause hatte mein Mann den ersten Termin bei einer Fachärztin für Psychatrie und Psychotherapie und die war völlig von den Socken, als sie den rehabericht und die vorhergehenden Entlassungsbriefe las. Aber es badarf ja trotzdem einige Zeit um meinen mann richtig beurteilen zu können.

Nach 3 Wochen Zuhause und nur noch liegen, kaum was essen, Flashbaggs mit denen er nichts anfangen kann und ein nicht aufhörendes Gedankenkarusell,wurde er über die PIA zur Stabilisierung auf die Station eingewiesen, gleiche Station auf der er 6 Monate voriges Jahr durchweg war. Wir waren erstmal erleichtert, er konnte nur noch schwer gegen die SV-Gedanken ankämpfen und hatte gefühlte Betonklötze an Händen und Füßen.

Dort ist er jetzt bis 22.12. und wird dann wieder entlassen. Die neue Äztin, es ist kein Arzt mehr da, der ihn von den 6 Monaten her kennt.... meint, seine Krankheit ist nun chronisch. Eine erneute Diagnose hat sie noch nicht geäussert.

Auch in diesem Gespräch hat mein Mann keine Kraft gehabt, sich dazu zu äussern.

Ich weis nicht wie es weitergehen soll. Vielleich komme ich eines Tages heim und er hat sich nicht zurückhalten können.

Beim VdK habe ich am 13. einen Termin und hoffe auf Antworten und Hilfe.

Er möchte gern eine Trauma und Suchttherapie zusammen machen. Die letzten Monate hat er als Skill immer einige Bier getrunken, was natürlich nicht gut ist, in dem Moment aber erstmal über die Situation half.

Wie bekommt man als Angehörige gehör bei den Ärzten? Wie schaffen wir es nur eine solche Therapie zu bekommen. Er möchte wenigstens in 1-2 Jahren wieder arbeiten können. Ich muss erstmal aufhören, ist schon viel zu umfangreich für hier. Entschuldige bitte, ich musste es mal loswerden.

Liebe Grüße

Jetzt kommentieren