Diskussion um Ärzte-Honorare

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Bei Spiegel-Online ist ein interessanter Artikel zur Diskussion über die Artzhonorare erschienen. Unter dem Titel Mir geht es gut wird über einen Hausarzt berichtet, der mit seinem Honorar durchaus zufrieden ist und es gibt auch einige Zahlen zum Durschnitsverdienst von Ärzten.

Interessant zu lesen.

8 Kommentare

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Danke, das tat gut - auch, weil ich von meinem Hausarzt oder anderen Ärzten ähnliches höre. Sie sind auch teilweise unzufrieden darüber, wie manches läuft - vor allem, wenn es darum geht, um Leistungen für die Patienten kämpfen zu müssen. Gleichzeitig lassen sie "die Kirche jedoch im Dorf" - und ich muss nicht jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich beim Arzt vorbeischaue - weil er eben an mir als Gesetzlich Versicherte im Grunde kaum etwas verdient...

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Klar mit 4900 € netto monatlich kann man ziemlich gut leben. Das funktioniert aber m. E. nur, weil 3 komponenten zusammentreffen. Zum einen ist dies eine Gemeinschaftspraxis, d.h. laufende Kosten können geteilt werden, dann ist es ein Hausarzt mit relativ geringem Geräteaufwand und zum dritten - dies sagt der Doc ja selber - weil er mit den Pauschalen gut zurechtkommt. "Das funktioniert natürlich nur, wenn genügend Patienten kommen, die leicht krank sind."

Es geht auch anders, wie ich im Hamburger Abendblatt am 28.03. gelesen habe. Da verschenkt ein Doc nun lieber Magenspiegelungen weil er aufgrund der Pauschalen eh schon in der Verlustzone ist.

Kuckst Du hier: http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/28/1102631.html

Ein schlechtes Gewissen muss man heutzutage aber dennoch bei keinem Arzt als Patient haben. Als selbstständiger muss er (leider) sehen wie er wirtschaftlich klar kommt, da er rein rechtlich keinen Fall ablehnen darf, muss er natürlich eine entsprechende Vergütung erhalten. Dass unsere liebe Politik auch bei dieser Reform wieder einmal nur beschlossen hat, wird die Reform der Reform nicht mehr lange auf sich warten und das ist auch gut so.

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Ein kluger Schachzug, den der Arzt dort macht...

Aber mal im Ernst: Etwas wenig recherchiert hat das Hamburger Abendblatt dann doch. Mich hätte einiges noch interessiert, um herauszubekommen, worum es sich eigentlich handelt und warum nun gerade jetzt der Protest erfolgt.

Denn: Dass die ambulante ärztliche Betreuung bereits seit Jahren teilweise eher als "Flat Rate Medizin" bezeichnet werden sollte, weiß ich schon länger. Mein Internist beklagte sich bereits seit Jahren, dass er eigentlich in jedem Quartal den letzten Monat umsonst behandelt, da sein Budget vorab aufgebraucht war - trotzdem erzielte er im Endeffekt ein Plus, mit dem er auskam.

Meine Einwände gegen den Artikel, auch wenn der Arzt sicherlich im Recht ist, und ich schmunzeln musste aufgrund seiner Aktion, die sicherlich Aufsehen erregt:

a) Wegen Sodbrennen wird nicht gleich eine Magenspiegelung gemacht - da wird in der Regel schon einige Wochen und Monate gewartet... so wird einem Leser schon wieder vermittelt, dass jede Leistung sofort zugänglich ist. Ist sie jedoch nicht. Vor einigen Jahren schon musste mein Hausarzt hin- und hertelefonieren, um eine Magenspiegelung innerhalb eines Quartals zu erhalten - obwohl ich starke Schmerzen hatte. Jetzt wird man bzw. frau wahrscheinlich noch länger warten müssen...

b) Der Arzt vergleicht: Das, was er erwarten kann, wenn er die einzelnen Leistungen zusammenzählt - und das, was ihm als "Regelleistungsvolumen" erst einmal angekündigt wurde. Aber: Es wurde nicht in die Tiefe gegangen. Es wurde nicht erklärt, wie dieses Regelleistungsvolumen berechnet wurde bzw. auf welcher Basis. Es wird auch nicht deutlich gemacht, dass gerade ein Fall wie seine Praxis (eine Schwerpunktpraxis mehr oder weniger auf dem Lande) eher an Honorar verliert durch die Reform, dass gleichzeitig hier für Sommer bereits Verbesserungen angekündigt wurden:

Es wurde auch nicht erklärt, dass z.B. Hausbesuche eben nicht mehr separat berechnet werden, und im Regelleistungsvolumen enthalten sind - diese sich jedoch bereits seit bald Jahrzehnten nicht mehr rentieren.

c) Gleichzeitig kann heute noch kein Arzt wissen, was er im ersten Quartal 2009 definitiv verdient (hat); erst wenn die Abrechnung erfolgt. Daher bin ich persönlich sehr gespannt, wie nach den ersten Abrechnungen das Bild aussehen mag. Wer sich zu den Verlieren zählt, wer zu den Gewinnern.

d) Was ich schade finde: Es fehlt ein Zeitvergleich. Es wird nicht recherchiert bzw. geschrieben, was der Internist im letzten Jahr verdiente, wie viel Minus (oder Plus) er wahrscheinlich macht, wie sich sein Betrieb rechnet etc. etc. Denn das ist doch letztlich das Wichtigste.

e) Was auch nicht beleuchtet wurde: Viele andere Ärzte überweisen im Rahmen der Honorarreform gern weiter an Fachärzte, um so in ihrer Praxis weniger Aufwand zu haben... D.h. auch unter den Ärzten ist es gerade nicht immer so toll.

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Einige interessante Berichte über die - sicherlich nicht sinnvolle - Reform, die garantiert nachgebessert wird, gleichzeitig jedoch auch nicht nur "Verlierer" hat, sondern auch etliche Gewinner:

a)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/?sid=535885

b)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/?sid=538047

c)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/?sid=538048

d)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/?sid=536344

e)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/?sid=536359


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Zu oben: Wer nur kurz durchlesen möchte, wer eher "gewonnen" hat, und wer eher "verloren", für den sind die beiden Artikel unter
d) und e) am interessantesten.

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Hi,

zu dem besonderen Fall des Internisten habe ich einen interessanten Artikel entdeckt, der ein wenig Licht ins Dunkle bringt - und teilweise auch Deine Fragen beantwortet, Agnes:

Anbei der Artikel:

Gastroskopie nur noch in Notfällen
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/?sid=539768

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Danke!

Nun kenne ich auch den Hintergrund für die Zahlen.

Aktuell werden die ersten Änderungen bereits vorbereitet. Mehr unter:

"Hoffnung auf Lösung im Ärztestreit ums Geld"http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/?sid=540265


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Die Diskussionen laufen, teils sehr emotional. Viele von Euch und Ihnen werden sicherlich über die Tagespresse informiert. Entscheidene Fakten werden wir auch nennen,

U.a. wurden nun bundesweit Praxis-Schließungen in der Woche vom 18. bis 23. Mai 2009 angekündigt. Hinter den Protesten steht der Verband "Freie Ärzteschaft" - einerseits ein sehr kleiner Verband, gleichzeitig jedoch bereits bekannt durch frühere erfolgreiche Protestaktionen (Quelle: Die Welt, 30.03.2009). Mein Hausarzt z.B. wird in der Zeit Urlaub machen.

Mein Tipp:
Fragen Sie bei Ihrem Arzt direkt nach, wenn es für Sie wichtig ist.

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Interessante Artikel zu dem Thema "Gesundheitsreform" gibt es übrigens u.a. im letzten Stern No. 14 und im aktuellsten Spiegel No. 15, der morgen erscheinen wird.

Der "Stern" hängt sich sehr an dem Thema "Vorauszahlungen bei Ärzten - die Ärzten protestieren auf Kosten der Patienten" auf, wobei ich selbst überzeugt bin, dass dies immer noch Ausnahmen sind.

"Der Spiegel" wiederum versucht, einen umfassenden Einblick zu geben - mit der Einschätzung, dass diese Reform - wie auch einige frühere - demnächst wieder reformiert werden wird...