Arbeitslosenstatistik: Arbeitslose, die eine Rente beantragen, fallen raus

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Gestern klingelte das Telefon:

Eine Bekannte, die ich vor einigen Jahren im Krankenhaus kennenlernte und die sich aufgrund ihrer Krankheit nun leider doch entscheiden musste, die EM-Rente zu beantragen, meldete sich.

"Wusstest Du das? Arbeitslose, auch Hartz4-Empfänger, die eine BU- oder EM-Rente beantragen, sind ab dem Tag der Beantragung nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Und das, obwohl sie während des Verfahrens natürlich weiterhin Bezüge erhalten. Auch wenn das Verfahren ja teilweise drei Jahre dauert - in all den Jahren sind die Leute praktisch nicht in der Statistik zu finden. Ist das denn logisch?"

Wegen der Statistik wundere ich mich nicht. Ich bin in dem Bereich Laie, gleichzeitig jedoch Statistik- und Marktforschungs-Expertin genug, um Statistiken niemals zu trauen - es sei denn, ich kenne die Hintergründe. Diesen kannte ich bisher nicht. Sollte jemand den Grund dafür kennen, dass eine - aktuell scheinbar steigende - Anzahl von Arbeitslosen nicht mehr statistisch berücksichtigt wird, wäre ich für eine Rückmeldung sehr dankbar.  








5 Kommentare

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Nun der Grund dürfte wahrscheinlich sehr einfach sein. In die Arbeitslosenstatistik werden die aufgenommen, die a) ALG1 beziehen UND b) dem Arbeitsmarkt vermittelt werden können, also zur Verfügung stehen.

Dies ist bei jemandem der Rente beantrag (aus der Sicht der Agentur) nicht der Fall. Egal ob die Rente bewilligt wird oder nicht, zunächst einmal ist dieser Fall nicht zu vermitteln. Welcher Arbeitgeber stellt jemanden ein, der eine Rentebeantragung laufen hat??

Übrigens werden auch keine ALG2-Empfänger, ALG1-Empfänger, die sich in einer Maßnahme befinden, Arbeitsuchende, die keinen Anspruch auf Leistungen haben und ähnliches nicht in der Statistik geführt. So dass die monatlichen Meldungen (das aber schon seit vielen Jahren und wechselnden Regierungsparteien) nicht das wahre Bild in Sachen Erwerbslosigkeit darstellt.

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Übrigens werden auch keine Kurzarbeiter in die Statistik aufgenommen, obgleich diese zumindest Teilzahlungen der Agentur erhalten aber eben nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Gleichzeitig werden seit Beginn der 1990er zur Ermittlung der Arbeitslosenquote die Selbstständigen als Erwerbsttätige mit geführt. Dies hat zur Folge, dass die Arbeitslosenquote sinkt.

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Hi,

das mit den Kurzarbeitern wusste ich - ich bin gespannt, was passiert, wenn ein Großteil der Kurzarbeiter wahrscheinlich - leider - in die Arbeitslosigkeit rutscht.

Auch mit den Fortbildungsmaßnahmen kann politisch gut umgegangen werden - merkwürdig, dass vor allem vor Wahlen unheimlich viele Arbeitslose in Maßnahmen geschickt werden..

Wieder einmal gilt der alte Spruch: "Trau' keiner Statistik, die Du nicht selbst gemacht hast!"

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Hallo Susanne,

ich finde dies nicht merkwürdig. Hiermit erreicht man gleich mehrere Ziele wenn die Statistik runter geht
a)die leichtgläubige Masse denkt, super diese Regierung schafft die Wende auf dem Arbeitsmarkt und wählt erneut diese Regierung (oder auch nicht)
b)die unter Umständen sogar hilfreichen Maßnahmen, bewirken sowas wie Hoffnung bei den Arbeitsuchenden. Da mit einer u. U. weiteren Qualifizierung mehr Chancen am Arbeitsmarkt entstehen. Hoffnungsvolle Bürger sind dankbare Wähler,
c) es herrscht "Ruhe" im Staate Dänemark, denn nicht einmal eine direkt konkurrierende Partei wird sich äußern, wie die Zahlen interpretiert werden. Sonst könnte sie sie ja nicht bei der nächsten Gelegenheit selbst so verwerten. Und so bleibt höchstens das Zugeständnis, dass die Arbeitslosigkeit erfolgreich bekämpft wird.

Ja ja, Interpretation ist schon immer so eine Sache gewesen. Wie war das noch damals in der Schule: "Was will uns der Dichter damit sagen?"

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Hallo zusammen,

es gibt mindestens noch 3 Gruppen, die nicht in der Statistik auftauchen:

a) die Ein-Euro-Jobber bzw. ABMler (so es sie noch gibt)
b) Umschüler
c) die Personen, die durch private Arbeitsvermittler im Auftrag der ARGE oder der Agentur betreut werden.

Insgesamt könnte man wahrscheinlich 1,5 bis 2 Millionen mehr als tatsächlich in die Statistik aufnehmen.

Was haltet ihr davon, wenn wir den Begriff Arbeitsloser abschaffen, dann ist die Statistik gleich auf 0 und wir haben Vollbeschäftigung ;-)