Deutscher Ärztetag - Wahrheiten, die manche nicht hören wollen...

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Wieder einmal ein Beitrag mit einer höchst persönlichen Meinung:

Seit einigen Tagen lese ich Artikel, Berichte über die Äußerungen von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe. Dieser forderte eine klare Prioritätensetzung im Gesundheitswesen (siehe hierzu u.a. die Berichte http://www.aerztezeitung.de/kongresse/kongresse2009/mainz2009-aerztetag/?sid=548426,
http://www.aerztezeitung.de/kongresse/kongresse2009/mainz2009-aerztetag/?sid=548719,
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,625875,00.html)

 

Und vor allem die Politiker und die Krankenkassen wehren und empören sich. Von "Panikmache" und "menschenverachtenden" Forderungen spricht z.B. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (siehe hierzu http://www.aerztezeitung.de/kongresse/kongresse2009/mainz2009-aerztetag/?sid=549164).

Und da frage ich mich nur: "Warum schaffen die Krankenkassen und Politiker es einfach nicht, ehrlich zu sein?" Jeder (chronisch) Kranke, Schwerbehinderte oder Pflegebedürftigte weiß um diese Problematik im Gesundheitssystem. Die Betroffenen kennen das Prozedere von Antrag, Kostenablehnung, Widerspruch, Ablehnung. Sie spüren bei ihren Ärzten und in den Krankenhäusern den Kostendruck, werden bei Fachärzten weit nach hinten geschoben und finden in pflegeintensiveren Fällen oft niemand mehr, der sie gern behandelt - auf jeden Fall suchen sie lange. Auf geeignete Therapien müssen Kranke teilweise Monate, gar Jahre warten, da keine Plätze mehr frei sind. Oder sie bezahlen diese gleich selbst.


Und dann darf ein Ärztepräsident nicht von einer notwendigen Rationierung sprechen bzw. deutlich machen, dass es so nicht weitergehen kann? De facto gibt es diese doch schon! Zumindest erlebe ich dies immer wieder als offiziell chronisch schwerkranke Patientin. 

Hoppe selbst antwortete in einer Diskussion mit dem Ministerpräsidenten Beck: "Wir Ärzte wollen keine Rationierung, keine Streichung von medizinischen Leistungen - aber wir wollen auch nicht weiter für den staatlich verordneten Mangel in den Praxen und den Kliniken verantwortlich gemacht werden."

Was ich verstehen kann. Ich bin keine Ärztin, nur Patientin. Aber ich kann mehr als verstehen, ja würdigen, dass Hoppe diesen Schritt geht: Die unbequeme und schmerzhafte Wahrheit aussprechen, Tabus offenlegen, um aufzuwecken.

Für wie lange will die Politik die deutschen Bürger für dumm verkaufen? Wer erinnert sich nicht an den Satz von Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher." Eine Behauptung, die damals schon unter Experten als unhaltbar galt. Inzwischen wissen es alle.

Und wie wird es mit dem Gesundheitssystem weitergehen? Wie lange will die Politik den deutschen Bundesbürgern hier noch die heile Welt vorspielen, die schon lange nicht mehr existiert - was in Deutschland jemand jedoch erst bemerken wird, wenn er mal schwerer krank wird, und kaum mehr Kraft hat, für sich selbst und eine gute Behandlung zu kämpfen?