Werden Reha-Anträge ohne ärztliche Gutachten abgelehnt?

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Im der Spiegel-Ausgabe 5/2010 (siehe hier auch: Der Spiegel - Medizin: Bewusste Täuschung der Versicherten ) wurde mitgeteilt, dass bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) oft Verwaltungsangestellte über Reha-Anträge entscheiden, ohne dass die Unterlagen zuvor einem zuständigen Arzt zur Beurteilung vorgelegt worden sind. Im Ablehnungsbescheid der Deutschen Rentenversicherung heißt es jedoch in der Regel, Ärzte hätten die Unterlagen umfassend geprüft - auch wenn nie ein DRV-Arzt die Unterlagen gesehen hat. "Das ist eine bewusste Täuschung der Versicherten", sagt der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke gegenüber dem Spiegel.

Dass die Arbeitsbedingungen für DRV-Ärzte unattraktiv sind, wurde auch hier im Blog schon des Öfteren laut (siehe hier u.a. Achtung: Ärztemangel an Reha-Kliniken wegen Streik oder Ärzte der Deutschen Rentenversicherung wollen voraussichtlich streiken ). Daher sind nach Informationen des Marburger Bundes aktuell durchschnittlich 15 Prozent der Stellen unbesetzt, was sich natürlich auch auf die Bearbeitung von Reha-Anträgen auswirkt: Laut  DRV-Mitarbeitern warten aktuell mehr als 30 000 Reha-Anträge auf Bearbeitung.

Gegenüber dem Spiegel erklärte die DRV, dass Entscheidungen über Reha-Anträge tatsächlich ohne das Einholen weiteren ärztlichen Rats gefällt würden. Jedoch könne sie den  Vorwurf, dass Versicherte eine gegenteilige Mitteilung erhalten, "nicht nachvollziehen".

Für mich wiederum ist nachvollziehbar, dass manche Reha-Anträge auch ohne Arzt abgelehnt werden können (z.B. gibt es die Frist von ca. drei Jahren, innerhalb derer nur in absoluten Ausnahmen eine weitere Reha genehmigt werden darf). Aber in der Regel machen sich ja gerade bei den Reha-Anträgen einige Menschen die Mühe, Formulare auszufüllen, Gutachten und Atteste zu erstellen etc. etc. Und ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen erst eine Reha beantragen, wenn es wirklich bitter notwendig ist. Daher kann dieses Handeln von seiten der DRV nicht akzeptiert werden. Gleichzeitig bleibt dem Antragsteller aktuell nichts anderes übrig als sich mit den aktuellen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, gleichzeitig nicht aufzugeben, aber auch so konstruktiv wie möglich damit umzugehen.

Was bedeutet das für Sie, falls Sie gerade eine Reha beantragt haben?
"Dranbleiben", nachhaken, sich durch eine erste Ablehnung (die inzwischen die Regel ist) nicht durcheinanderbringen lassen, Widerspruch mit Hilfe Ihrer behandelnden Ärzte einlegen.

Weitere Informationen zum Widerspruch etc. finden Sie u.a. hier:
Widerspruch - was muss ich beachten?