Was muss ich bei der Pflegezeit berücksichtigen?

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Wenn Sie aktuell darüber nachdenken, sich für eine mehrmonatige Pflegezeit von Ihrem Arbeitgeber freistellen zu lassen, dann sollten Sie vorab noch einmal die unten angegebenen Vorgaben überprüfen und mit Ihrer Familie über die Rahmenbedingungen sprechen. 

Lassen Sie sich auch unbedingt beraten, was für den pflegebedürftigen Angehörigen und Ihre Familie das Beste ist - bei ehrenamtlichen Organisationen, Pflegediensten und/oder den behandelnden Ärzten.

Folgende Vorgaben sind vor dem Antrag auf Pflegezeit zu überprüfen
1. Nur nahe Angehörige haben ein Recht auf Pflegezeit . Zudem müssen diese berufstätig sein.
2. Der/die pflegebedürftige Angehörige muss häuslich versorgt werden.
3. Beamte können keine Pflegezeit beantragen.
4. Auch Antragssteller, die in einem Unternehmen mit weniger als 15 Angestellten arbeiten, haben kein Recht auf Pflegezeit.
5. Während der Pflegezeit besteht kein Fortzahlungsanspruch für das Gehalt (Ausnahmen: Tarifverträge, in denen das Pflegegesetz separat behandelt wird).
6. Der/die pflegebedürftige Angehörige muss mindestens in Pflegestufe I eingruppiert sind. Zudem darf er bzw. sie nicht vollstationär in einem Heim untergebracht sein.
7. Jede/r pflegende nahe Angehörige darf nur ein Mal und nur für maximal sechs Monate die Pflegezeit in Anspruch nehmen.


Antrag auf Pflegezeit
Wenn Sie sich entschieden haben, beantragen Sie die Pflegezeit bei Ihrem Arbeitgeber. Hier gehen Sie wie folgt vor: Wie beantrage ich eine Pflegezeit?  

Bitte beachten Sie beim Antrag noch folgendes:
Sie müssen sich nicht voll freistellen lassen, wenn es für Sie die Möglichkeit gibt, die Pflege zum Teil anders zu organisieren. Denn es ist grundsätzlich vorgesehen, nur eine teilweise Freistellung von der Beschäftigung zu beantragen. Dann muss die Bescheinigung der Pflegeversicherung oder des MDKs, die für den Antrag notwendig ist, auch die gwwünschte Verteilung der Arbeitszeit enthalten. D.h. dass der Arbeitgeber prinzipiell bei einer Teilzeittätigkeit Ihren Wünschen entsprechen muss - es sei denn, dringende betriebliche Belange sprechen dagegen.


Vergessen Sie Ihre Sozialversicherung nicht
Stellen Sie einen Antrag bei der Pflegeversicherung des zu pflegenden Angehörigen, damit diese Ihre Sozialversicherungsbeiträge während der Pflegezeit bezahlt.   


Kündigungsschutz während der Pflegezeit
Während der Pflegezeit besteht Kündigungsschutz, und zwar vom Zeitpunkt der Ankündigung bis zum Ende der Pflegezeit.

Abbruch der Pflegezeit möglich?
Ja, die Pflegezeit kann grundsätzlich früher beendet werden. Vorausgesetzt, der Arbeitgeber stimmt zu. 

Mit einer Übergangsfrist von vier Wochen ist eine Beendigung der Pflegezeit jedoch auch möglich, wenn folgende Bedingungen vorliegen: z.B. wenn der Pflegebdürftige stirbt, eine vollstationäre Pflege notwendig wissen, oder die Pflege für Sie unmöglich oder unzumutbar ist.  

 

Quellen: U.a. Der HausArzt 1. Quartal 2011