Befreiungskarte vorab? Service mit zweifelhaftem Nutzen

|
Anfang diesen Jahres erhielt ich ein Angebot meiner Gesetzlichen Krankenversicherung, über das ich mich doch ziemlich wunderte. Heute las ich mir das Schreiben nochmals durch und war - ehrlich gesagt - einfach nur fassungslos angesichts der Frechheit dieser Versicherung.

Die Versicherung wirbt mit folgendem Angebot:
Mitglieder, die innerhalb eines Jahres vermehrt Zuzahlungen zu leisten haben, können eine Summe in Höhe der persönlichen Belastungsgrenze für 2012 bereits im Voraus an die Krankenkasse überweisen, damit sie dann für 2012 für das ganze Jahr von den Zuzahlungen befreit sind.

D.h. ich soll der Krankenkasse bereits zu Beginn des Jahres eine Summe in Höhe der Belastungsgrenze überweisen, damit ich für den Rest des Jahres das angenehme und trügerische Gefühl haben darf, von den Zuzahlungen befreit zu sein. Denn ich habe dann ja die Befreiungskarte, die ich nur noch bei Arzt, Apotheke etc. vorlegen muss...

Welch Hohn... letztlich ist dies Vorkasse, die ich leisten soll...

Zur Klarstellung:
Ich persönlich habe kein Problem damit, dass Krankenkassen diesen Service anbieten. Wortwahl und Kommunikation dieses Angebots erinnerte mich jedoch stark an den Vertrieb von Zeitschriften, Abos etc. ("Drückerkolonnen"). Die Zahlung auf Vorkasse wird nicht explizit erläutert, sondern es wird verstärkt mit dem Nutzen der "Befreiungskarte" geworben. Eine offenere, ehrlichere und klarere Kommunikation wäre hier sicherlich angemessen gewesen. Denn ältere Menschen, denen das Sammeln der Belege zu anstrengend ist bzw. die die aktuelle Gesetzeslage zum Thema Zuzahlungen nicht so gut einschätzen können, werden dieses Angebot eventuell sogar nutzen - und zu Beginn des Jahres eine größere Summe an die Krankenkasse überweisen. Geld, das ihnen dann erst einmal fehlt.  

Dabei gibt es nach wie vor die herkömmliche gesetzliche Regelung, bei der die Zuzahlungen erst dann zu leisten sind, wenn sie anfallen. Und erst wenn die persönliche Belastungsgrenze im Laufe eines Jahres erreicht wird, kommt die Befreiungskarte ins Spiel. Oder anders ausgedrückt: Die Krankenkasse erstellt normalerweise die Befreiungskarte, wenn bewiesen wird, dass bereits während eines Jahres die Belastungsgrenze von zwei Prozent (oder einem Prozent bei chronisch Kranken) der Bruttoeinnahmen erreicht ist, so dass für den Rest des Jahres keine weiteren Zuzahlungen mehr zu leisten sind.

Dafür müssen Sie einen Fragebogen ausfüllen und die notwendigen Belege einreichen. Natürlich ist hier Organisationsaufwand notwendig. Aber gleichzeitig haben Sie so die Möglichkeit, den Aufwand für Zuzahlungen besser einzuplanen und zu kontrollieren. Und Sie müssen die Kosten nicht vorab tragen, sondern wirklich nur, wenn sie auch anfallen!