Was heißt "Rückkehrgespräch"?

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Ich habe einmal recherchiert, was unter "Rückkehrgespräch" primär zu verstehen ist. Dabei stellte ich u.a. fest, dass es hier einige sehr unterschiedliche Interpretationen gibt. Eines hatten jedoch alle Definitionen gemeinsam: Das Rückkehrgespräch ist ein Gespräch zwischen Arbeitgeber/Führungskraft und Arbeitnehmer, kann also im betriebswirtschaftlichen Rahmen als Personalführungsinstrument bezeichnet werden.

Uneinig hingegen sind sich die unterschiedlichen Autoren in Hinblick auf Einsatz des Rückkehrgespräches: Viele denken bei diesem Begriff primär an schwierige Mitarbeiter ("Blaumacher"), was in meinen Augen alles andere als förderlich ist. Diese Haltung zeigt ein großes Misstrauen gegenüber den Mitarbeitern, was m.E. alles andere als förderlich ist in der alltäglichen Zusammenarbeit. Ein Beispiel hierfür finden Sie hier. Hier wird das Rückkehrgespräch wahrscheinlich eher als Druckmittel gesehen - obwohl es in meinen Augen eher ein Zeichen der Interesse und Fürsorge sein sollte.

In meiner beruflichen Laufbahn bin ich zu vielen hochmotivierten und zuverlässigen, leider aber auch teilweise schwerkranken und ausgebrannten, Kollegen begegnet. Sogenannte "Krankmachern" habe ich kaum kennen gelernt - und hier waren auch Teamkollegen/-mitarbeiter/innen daran interessiert, dass der/die Chef/in mit diesen "Klartext" redet. Aber wie bereits erwähnt: In meinen Augen ist dies nicht der "typische Fall" eines Rückkehrgesprächs.

Die gebräuchliche Definition von Rückkehr- (oder auch Krankenrückkehrgespräch) bezieht sich auf den Zeitpunkt: Die meisten Autoren sind der Meinung, dass ein Rückkehrgespräch nur geführt werden soll, wenn eine/e Mitarbeiter/in häufig bzw. für längere Zeit krankgeschrieben war (siehe hierzu sehr interessante Artikel: Rüdiger Möller: "Rückkehr- und Fehlzeitengespräche im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements", in veränderter Fassung erschienen in: Zeitschrift für Gesundheitsförderung 4/2003 oder Rolf Taubert, Rüdiger Piorr, Elke Heller: "Rückkehrgespräche: Ein wirksames Instrument des betrieblichen Gesundheitsmanagements (?)", erschienen in: ARBEIT, Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, Heft 4/2000: 269-279).

Eine neue - und m.E. sehr sinnvolle - Interpration des Rückkehrgespräches finden Sie in dem Artikel von Dr. Bernd Bitzer, Ronald Weinschenk: "Beim BEM profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber", in: Sozialrecht & Praxis April 2012. Diese regen an, das Rückkehrgespräch als grundsätzliches Kommunikationsmittel zwischen Führungskraft und Mitarbeiter zu verwenden, also z.B. auch nach Urlauben, Seminarbesuchen, Außendiensteinsätzen etc. diese Art von Gesprächen zu führen (Download). Der/die Mitarbeiter/in erfährt Wertschätzung, die Kommunikation verbessert und die Angst vor den sogenannten Rückkehrgesprächen wird genommen.

Fazit: In der Praxis gibt es wahrscheinlich immer noch extreme Unterschiede, wie und wann Rückkehrgespräche eingesetzt werden. Die Unternehmens- und Führungskultur eines Unternehmens dürfte hier jedoch entscheidend sein, um herauszufinden, wie die Führungskräfte den Einsatz von Rückkehrgesprächen beurteilen.

Quellen:
Siehe oben verlinkte Artikel