Ärztefrust bitte nicht gegen Patienten richten!

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Manche Ärzte gehen in ihrem Frust doch etwas zu weit.

Da haben Fachärzte einer Düsseldorfer Urologenpraxis ein Schreiben für ihre Kassenpatienten ausgelegt, das die aktuelle wirtschaftliche Situation im Gesundheitssystem erläutert. So weit, so gut!

Gleichzeitig enthielt dieses Schreiben laut www.aerztezeitung.de jedoch auch Sätze, die den gesetzlich versicherten Patienten absolut nicht gerecht werden. Einige dieser Sätze möchte ich hier wiedergeben (Anmerkung: sie sind alle aus der unten angegebenen Quelle zitiert): 

1) "...Sie sind als Patient ihrer Krankenkasse noch einen Festpreis von 13,31 Euro im Quartal wert, und das bei Milliardenüberschüssen der Krankenkassen...": Der gewohnte Service und Komfort sei damit nicht mehr möglich.

2) Auch wiesen die Ärzte in dem Schreiben darauf hin, dass sich die GKV-Versicherten deshalb auf längere Wartezeiten und kürzere Behandlungszeiten einstellen müssten. Die Sätze "...Wir bemühen uns, zwei Stunden nicht zu überschreiten. ..." oder "...Auch die individuelle Behandlungszeit wird sich von der berüchtigten 5-Minuten-Medizin eher auf eine 2-Minuten-Medizin reduzieren. ..." klingen dabei jedoch wie eine Drohung.

3) Wie diese Ärzte zukünftig die versprochene "...korrekte und sachliche Beratung und die ausreichende und notwendige Behandlung" in den zwei Minuten leisten wollen, ist mir schleierhaft. Aber auch darauf gehen sie mit folgendem Satz ein: "...Sie müssen allerdings unsere medizinischen Aussagen akzeptieren oder es lassen. Diskussionen sind unter diesen Bedingungen nicht vorgesehen. ..."

4) Und natürlich finden die Patienten am Schluß des Schreibens die Empfehlung, privatärztliche Leistungen in Anspruch zu nehmen und mit der Krankenkasse das Kostenerstattungsprinzip zu vereinbaren.


In dem obigen Beispiel nahmen sich die Ärzte laut www.aerztezeitung.de anscheinend noch genügend Zeit, um mit ihren Patienten über dieses Schreiben und die nicht ausreichende Honorierung zu sprechen, drohen jedoch gleichzeitig mit zweiminütigen Kurz-Untersuchungen?!?
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Wahnsinn!!! Ich selbst kenne ein ähnliches Schreiben aus einer Orthopädenpraxis. In dieser fehlt jedoch auch ansonsten die so notwendige Empathie für zum großen Teil ältere schwerkranke Patienten. Im Wartezimmer wird dort teilweise erschreckend offen und lautstark über Patienten und Kollegen gelästert. Da passt es dann auch zum Klima... Aber muss so etwas wirklich sein? Müssen Ärzte ihren Patienten Angst einjagen, um auf ihre Problem aufmerksam zu machen? Gibt es da nicht andere Möglichkeiten?

Fazit:
Trotz des zum großen Teil sicherlich berechtigten Ärgers und Unmut über die finanzielle Situation der Kassenärzte und das Verhalten der Gesetzlichen Krankenkassen kann ich obiges Schreiben absolut nicht nachvollziehen. Ein kluger Kopf sollte wirklich in der Lage sein, sich erst einmal beruhigen, um dann in Ruhe und damit sachlicher auf die Mißstände im Gesundheitswesen hinzuweisen!

Quellen und weitere Informationen:

aerztezeitung.de: Warteschleife für Kassenpatienten
aerztezeitung.de: Kommentar - Übers Ziel hinaus geschossen