Krankenversicherungspflicht in Deutschland

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Seit 2009 muss jeder Bundesbürger in einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse versichert zu sein. Seitdem sind auch die privaten Krankenkassen verpflichtet, einen sogenannten Basistarif anzubieten. Die Leistungen, die in dem Basistarif enthalten sind, entsprechen denen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Aufgrund der Versicherungspflicht verlieren Sie Ihren Status als Mitglied Ihrer Versicherung nicht, auch wenn Sie Ihre Beiträge nicht bezahlen. In einem solchen Fall ruhen die Leistungen. Sie erhalten in diesem Fall - egal ob gesetzlich oder privat versichert - nur noch unaufschiebbare Leistungen, beispielsweise bei akuten Erkrankungen oder Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Grundsätzlich müssen Sie jedoch damit rechnen, nur noch auf Vorkasse behandelt zu werden.

Versicherungspflicht bedeutet jedoch auch: Die Beiträge für die Monate, in denen Ihr Versicherungsschutz "ruhte", werden nicht erlassen, sondern müssen in der Regel irgendwann einmal nachgezahlt werden. Auf Schuldenerlass können meist nur  Hartz IV-Empfänger hoffen (siehe hierzu folgenden Beitrag: Hoffnung: Schuldenerlass für Hartz IV-Empfänger in der Privaten Krankenversicherung). 


4 Kommentare

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Irgendwie habe ich den Eindruck die Nicht-Zahler werden hier doppelt gestraft: Sie bekommen keine Leistungen und müssen die Beiträge im Nachhinein trotzdem zahlen.

Da klingt das Gejammer der Kassen über die vielen Beitragsaussenstände auch nicht so ganz ehrlich.

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Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich es als Strafe sehen soll:

a) Es herrscht eine Versicherungspflicht in Deutschland, die sollte man auch wahrnehmen - ein mündiger Bürger hat eben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.
b) Wer nicht bezahlt, erhält keine Leistungen. Für mich nur korrekt. Wobei man beachten sollte, dass Akutbehandlungen da ja immmer noch geleistet werden.
c) Die Beiträge werden bei Nichtbezahlung "gestundet". Ein völlig korrektes Vorgehen. Das heißt nicht, dass sie wegfallen! Und Beitragsrückstände müssen bezahlt werden - das ist auch in anderen Fällen so (nur wird in anderen Fällen alles mit Zinsen etc. abgemahnt...). Für Hartz IV-Empfänger gibt es ja sogar Schuldenerlass...
d) Ich finde es hochriskant für jeden, die Krankenkasse nicht mehr zu bezahlen, wobei jeder sich da auch frei entscheiden kann... aber er muss dann auch mit den Folgen rechnen... denn nochmal: Für Hartz IV-Empfänger werden die Kassenbeiträge übernommen, da wurde schon vorgesorgt...
e) Wieso sollen sich die Kassen denn nicht über die vielen Beitragsaußenstände beschweren? De facto haben sie das Problem, nicht langfristig mit den Beiträgen planen zu können. Sie müssen die Außenstände zu einem bestimmten Prozentsatz einzukalkulieren, also quasi als Minus betrachten...

Ich bin sehr kritisch mit den Krankenkassen, die zu Recht oft kritisiert werden. Aber in diesem Fall finde ich ihr Verhalten erst einmal korrekt. Die Versicherungspflicht in Deutschland wurde nicht von den Kassen eingeführt, sondern vom Gesetzgeber - so fair sollte man sein.

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Das eigentliche problem besteht ja meist darin, dass Versicherte sich für die Private Krankenversicherung entscheiden und diese später nicht mehr bezahlen können, weil jährliche Beitragserhöhungen die Kosten ins unermäßliche treiben. Da haben ja private Krankenkassen teilweise Narrenfreiheit und treiben nicht selten besonders ältere Versicherte in den Ruin

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Hi,

zu dem Thema "hohe Schulden" ist seit dem 1. August 2013 ein neues Gesetz inkraft getreten:

Stichtag 1. August 2013: Schuldenerlass für säumige Mitglieder der Krankenversicherungen.

Für die privaten Krankenversicherungen gibt es zudem den neuen Notlagentarif: Der neue Notlagentarif in der Privaten Krankenversicherung.