Pflegekräfte aus Osteuropa: Sinnvolle Alternative zum Pflegeheim?

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Immer mehr hilfebedürftige Senioren nehmen in den letzten Jahren eine häusliche Betreuung durch Pflegekräfte aus Osteuropa in Anspruch. Dabei machen die aus Polen stammenden Pflegehilfen durch die geographische Nähe zu Deutschland den größten Prozentsatz der in Deutschland arbeitenden osteuropäischen Pflegehilfen aus. Derzeit befinden sich laut Schätzungen weit über 150 000 Pflegehilfen aus Osteuropa in Deutschland. Tendenz steigend!


Doch wie wird das alles organisiert?
Wie legal ist die Beschäftigung von osteuropäischen Pflegekräften?  

Aktuell gibt es drei Möglichkeiten, eine Pflegekraft aus Osteuropa zu beschäftigen. Jedoch sind nur die ersten zwei der vorgestellten Alternativen rechtlich unbedenklich:

Alternative 1:
Seit der am 01.05.2011 beschlossenen Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU ist es EU-Bürgern erlaubt, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen. Es besteht  daher rechtlich die Möglichkeit, eine Pflegekraft selbst einzustellen. Bisher ist es am üblichsten, dass das Arbeitsamt  eine polnische Pflegerin sucht und an den Pflegebedürftigen bzw. seine Familie verweist. Bei dieser Variante werden arbeitsuchende polnische Pflegerinnen direkt zwischen dem polnischen Arbeitsamt und dem deutschen Arbeitsamt vermittelt. In einem solchen Fall wird der Pflegebedürftige zum Arbeitgeber und muss sich an alle damit verbundenen Rechte und Pflichten halten. Dazu zählen unter anderem Urlaubsgewährung sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Vorteil dieser Variante ist, dass die Vermittlungsgebühren entfallen. Nachteil wiederum ist, dass der Auftraggeber wenig Einfluss auf die Auswahl der polnischen Pflegerin hat.

Alternative 2:
Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Entsendung. Bei dieser Variante werden die bei einem polnischen Dienstleister angestellten Pflegehilfen für einen befristeten Zeitraum nach Deutschland entsendet. Die Organisation übernehmen spezialisierte Pflege-Unternehmen, die idealerweise mit zertifizierten osteuropäischen Pflege-Ausbildern und -Unternehmen zusammenarbeiten. Der Pflegebedürftige und seine Familie erhalten auf Anfrage und nach detaillierter Klärung der individuellen Bedürfnisse geeignete schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Foto, so dass hier eine Vorauswahl getroffen werden kann.

Da die Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig in ihrem Heimatland angestellt sind, werden keine weiteren Anmeldungen und Behördengänge für den Pflegebedürftigen oder dessen Familie notwendig. Meist bleiben die Pflegehilfen zwei bis drei Monate bei den Pflegebedürftigen und werden dann nahtlos von einer zweiten Kraft abgelöst. So entsteht in der Regel eine lückenlose Betreuung. Der zu Betreuende muss sich jedoch auf unterschiedliche Ansprechpersonen einlassen.

Alternative 3:
Immer noch weit verbreitet ist es, eine selbständige Pflegekraft zu beschäftigen. Bei dieser Variante bewegt sich der Pflegebedürftige jedoch gesetzesmäßig nicht immer im grünen Bereich. Zwar sind die Kosten meist geringer als bei anderen Varianten, doch besteht hier nach der momentanen Rechtslage eine Grauzone. Rechtsgrundlage ist hierfür die Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger. Diese erlaubt EU-Bürgern, sich in einem anderen EU-Land selbstständig zu machen. Voraussetzung jedoch ist, dass der Selbständige für mehrere Arbeitgeber tätig ist. Da die Pflegehilfen aber meist bei ihren Pflegebedürftigen im Haus wohnen, und damit nicht für mehrere Auftraggeber tätig sind, läuft dieses Arbeitsverhältnis oftmals auf eine Scheinselbständigkeit hinaus. Diese wiederum kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden - wobei sich auch der Arbeitgeber strafbar macht.

Kosten:
Die Kosten, die bei der Einstellung und Beschäftigung einer Pflegekraft aus Osteuropa anfallen, variieren sehr stark. Je nach Erfahrungen, Sprachenkenntnissen und Beschäftigungsart liegen die monatlichen Kosten in der Regel zwischen 1 500,- EUR und 2 500,- EUR. Zudem spielt die ausgewählte Rechtsgrundlage eine weitere wichtige Rolle.  

Da der Pflegebedürftige auch bei einer Betreuung durch eine polnische Pflegekraft weiterhin Anspruch auf Pflegegeld hat, wird ein Teil der Kosten von der Pflegeversicherung übernommen. Die Höhe des Pflegegeldes hängt von der jeweiligen Pflegestufe ab (bei Interesse finden Sie hier mehr Informationen). Hinzu kommen steuerliche Vorteile und der Anspruch auf Verhinderungspflege.

Wichtig!  
Leider wird die Ausbildung einer Pflegekraft aus Polen in Deutschland immer noch nicht anerkannt. Selbst wenn osteuropäische Pflegerinnen und Pfleger eine adäquate Fachausbildung und damit Qualifikation vorweisen können, dürfen diese in Deutschland keine medizinischen Pflegeleistungen  erbringen. Daher müssen Leistungen wie Vergabe von Spritzen, Verbandswechsel, Katheter-Pflege und ähnliches bei Bedarf durch einen ambulanten Pflegedienst übernommen werden.

Hilfe bei der Grundpflege, hauswirtschaftliche Arbeiten, Betreuung und auch Pkw-Fahrten dürfen die Pflegehelfer jedoch leisten.

Basistext und Quelle: http://www.polnische-haushaltshilfe.net