Darf man nach einem Schlaganfall wieder Autofahren?

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Laut der neuesten Statisiken haben rund eine Mio. Deutsche einen Schlaganfall überstanden. Die Folgen und damit verbundenen Konsequenzen sind für jeden Einzelnen unterschiedlich. Einschränkungen und Behinderungen im Alltag können vor allem anfangs sehr groß sein. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass sich der Gesundheitszustand auch nach Jahren noch zum Positiven verändern kann (z.B. durch nachhaltige Reha, Ergo- und Physiotherapie).

Eine Frage wird sich wahrscheinlich jeder Schlaganfall-Patient irgendwann stellen: "Werde ich wieder Autofahren können? Darf ich das überhaupt?".

Aktuell geben die gesetzlichen Regelungen hier keine eindeutige Antwort. Bei starken körperlichen Behinderungen und Einschränkungen müssen Sie grundsätzlich ein verkehrsmedizinisches Gutachten einholen, um eine Fahrerlaubnis zu erhalten. Hingegen gibt es bei geistigen Schädigungen erst einmal keine gesetzlichen Pflichten, die eigene Fahrtüchtigkeit durch ein neuropsychologisches Gutachten überprüfen zu lassen - d.h. man hofft auf die Einsichtigkeit der Betroffenen.

Bei einem verkehrsmedizinischen Gutachten werden die Diagnose, Ergebnisse der (vorherigen) klinischen Untersuchungen und aktuelle Medikation überprüft. Darüberhinaus werden die körperlichen Einschränkungen beschrieben. Der zuständige Verkehrsmediziner wird auch die notwendigen technischen Umbauten des Fahrzeugs (z.B. Drehknauf am Lenkrad, Handbedienungssysteme oder Sitzumbauten) im Gutachten benennen. Beachten Sie dabei, dass diese technischen Änderungen vom TÜV oder der Dekra überprüft und abgenommen werden. Zudem müssen sie in Führerschein als auch im Fahrzeugbrief vermerkt werden.

Grundsätzlich müssen die Kosten für das Gutachten (ca. 250 EUR,-) und die notwendigen Umbauten selbst bezahlt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Zuschüsse von den jeweiligen Kostenträgern (Krankenkasse oder Rentenversicherung) zu erhalten. Hierfür sollten Sie jedoch unbedingt frühzeitig mit Ihrer Krankenkasse oder Rentenversicherung Kontakt aufnehmen und einen formlosen Antrag auf Kostenzuschuss stellen.

Ein verkehrsmedizinisches Gutachten wird von Ärzten (zum Großteil Orthopäden oder Neurologen) mit einer verkehrsmedizinischen Qualifikation erstellt. Bitte beachten Sie, dass Ihr eigener - Sie aktuell behandelnder - Arzt die Begutachtung aufgrund des Verdachts der Gefälligkeit) nicht durchführen darf. Die Adressen dieser Ärzte in Ihrer Gegend erfragen Sie am besten bei Ihrem Hausarzt oder Neurologen. Aber auch das Gesundheitsamt, die TÜV/Dekra- oder Führerscheinstelle können weiterhelfen. Darüberhinaus finden Sie unter dem folgenden link  Ärzte mit verkehrsmedizinischer Eignung eine Liste mit geeigneten Ärzten und weitere Hinweise zum Verfahren.

Quellen: U.a. Apotheken Umschau A 05/13 und die pdf-Datei Ärzte mit verkehrsmedizinischer Eignung

6 Kommentare

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Hallöchen,
und wieder hab ich was dazugelernt. Danke für den schönen Beitrag, kann man gut lesen.
lg
Brandon

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Einzelne Erfahrungen aus der Praxis zeigen übrigens, dass die Gutachten nicht nur 250,- EURO, sondern um einiges mehr kosten.

Eine betroffene Freundin musste gerade für ihr verkehrsmedinizischem Gutachten 300,- EUR anzahlen, die Abschlußrechnung wird laut Auskunft des Arztes zwischen 400,- und 500,- Euro bewegen. Daher ist es sinnvoll, hier doch einen größeren Betrag einzuplanen.

Darüberhinaus sollten noch die Kosten für eventuell anstehende Fahrstunden berücksichtigt werden. Denn wenn ein Fahrzeug umgebaut wird (z.B. Knauf am Lenkrad, wenn die linke Seite bzw. Hand gelähmt ist), dann muss man/frau ja praktisch "neu fahren lernen".

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Interessanter Beitrag. Ich habe das auch nicht gewusst. Ich kenne jedoch zwei Personen in meinem Umfeld, die einen Schlaganfall erlitten haben. Beide können jedoch noch nicht wieder Autofahren.
Nochmal danke für die Info.

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Informativer Beitrag. Also ich kenne jemanden, der hatte schon 2 Schlaganfälle und er fährt immer noch Auto. Er hatte halt gut eine Pause von paar Monaten eingelegt aber jetzt flitzt er wieder rum. ;)

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Jeder von uns weiß sicherlich, dass es Schlaganfälle gibt, die Gott sei Dank nicht viel verändern bzw. bei denen die Folgen durch intensives Training teilweise rückgängig gemacht werden können. Aber bitte bedenken Sie alle, dass ein Schlaganfall gleichzeitig jedoch lebensbedrohlich sind und starke (teilweise nicht rückgängige) Lähmungen und Beeinträchtigungen nach sich ziehen.

Alexander, Ihren Bekannten wünsche ich alles, alles Gute und vor allem Linderung und hoffentlich weitere Heilung. Herr Münze, Ihr Bekannter scheint wirklich Glück gehabt zu haben;-)))

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Hallo, für alles Mögliche gibt es gesetzliche Regelungen. Umso mehr erstaunt mich dass es für derartige Fälle keine eindeutige Regelung gibt. Aber man lernt ja nie aus. Danke für den Artikel. Vg. Maik Strunk