Ich will die Krankenkasse wechseln - darf die neue Krankenkasse Fragen zu meinem Gesundheitszustand stellen?

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Rechtlich wird hier klar zwischen den Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und den Privaten Krankenversicherungen (PKV) unterschieden. Während die Gesetzlichen Krankenkassen keinerlei Fragen zum Gesundheitszustand des neuen Versicherten stellen dürfen, haben die Privaten Krankenkassen das Recht, jeden potenziellen Neukunden nach seinem Gesundheitszustand zu befragen und einen Gesundheitscheck zu verlangen. 

Im Umkehrschluss:
Die Gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, neue Kunden anzunehmen bzw. haben kein Recht, diese aufgrund schwerer Erkrankungen abzulehnen. Die Privaten Versicherungen wiederum können potenzielle Kunden aufgrund ihrer Vorerkrankungen ablehnen oder einen entsprechenden Risikozuschlag verlangen.

Quelle: U.a. Apotheken Umschau 07/2013, Interview mit Ohlsberg, Eva, Anwältin für Medizinrecht in Berlin

1 Kommentare

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Eine Bekannte hat aktuell ein ähnliches Problem. Die neue Krankenkasse fordert ältere Arzt- und Klinikberichte an, weil sie eine Entscheidung über eine Dauerverordnung treffen muss.

Grundsätzlich ist dies sicherlich in Ordnung. Was jedoch nicht ok ist, dass eine Sachbearbeiterin die Unterlagen direkt anfordert. Denn die Sachbearbeiterin hat keinerlei Recht auf den Einblick in ärztliche Berichte und Unterlagen. Auch hier besteht die ärztliche Schweigepflicht.

Daher ein Tipp:

- Im Fall einer solchen Anfrage können Sie die Berichte - in einem verschlossenen Umschlag, auf dem "Nur vom Medizinischen Dienst zu öffnen aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht" - an die Krankenkasse senden.
- Oder Sie gehen noch einen Schritt weiter und halten sich ganz aus der Angelegenheit, indem Sie Ihren behandelnden Arzt bitten, die Unterlagen an den Medizinischen Dienst der Krankenkasse zu senden. Dies wäre der formal richtige Weg!
- Lassen Sie sich jedoch bitte nicht überreden, heikle und intime Berichte an die Sachbearbeitung zu faxen oder ähnliches. Sie dürfen sich schützen!