Sind Gesundheitscheck oder psychologische Tests beim Einstellungsgespräch zulässig?

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Grundsätzlich lautet hier die Antwort: Nein!

Jedoch auch hier gibt es gesetzlich vorgeschriebene Ausnahmen, z.B. bei Ärzten, die nicht an Infektionen leiden dürfen oder bei Piloten, die regelmäßige Gesundheitschecks machen müssen. Zudem haben Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber Industriearbeitern, die besonderen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Auch Auszubildende unter 18 Jahren fallen unter die besondere Fürsorgepflicht. In diesem Rahmen können regelmäßige Gesundheitsprüfungen angesetzt werden.

Im Beamtenrecht ist eine weitere Ausnahme festgelegt. Wer lebenslang als Beamter beim Staat/Land angestellt werden möchte, muss die Untersuchung durch den Amtsarzt über sich ergehen lassen. Hier ist es auch enorm wichtig, ehrlich zu sein. Denn wird später entdeckt, dass Sie eine vorherige oder bereits bestehende Krankheit verschwiegen oder gar verleugnet haben, kann im Extremfall die Kündigung drohen.

Quelle: U.a. Apotheken Umschau 07/2013

5 Kommentare

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Das ist ja schön und gut, dass die Tests grundsätzlich nicht rechtlich bindend sind. Aber wenn ich einen Job haben will und der zukünftige Arbeitgeber verlangt einen Gesundheitstest beim Betriebsarzt, dann habe ich doch garkeine Chance, oder?

Denn wenn ich mich da wehre bzw. einfach nicht hingehe, krieg' ich den Job bestimmt nicht... also sitzt der Arbeitgeber doch am längeren Hebel, oder?

Ich habe einmal einen solchen Test durchziehen müssen. Dort waren die meisten der Angestellten aufgrund ihrer Tätigkeit verpflichtet, den Gesundheitscheck vorab durchzuführen. Die Büro-Angestellten hätten die Tests nicht machen müssen, wurden da jedoch gleich mit einbezogen. Keine Chance! Andererseits war der Check recht oberflächlich.

Und gut ist wenigstens zu wissen, dass auch die Betriebsärzte grundsätzlich der Schweigepflicht unterliegt.

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Sehr interessanter Beitrag, vielen Dank.
Psychologische Tests sind aber doch zulässig, oder?
Gibt es dann irgendwelchen Persönlichkeitstest, den für Bewerber nicht geeignet bzw. nicht erlaubt ist? Ich kenne mich nicht so gut aus aber hab im Internet ein paar psychologische Tests gesehen, die ich ethisch und moralisch sehr ungeeignet finde, um Bewerber in einem Arbeitsumfeld zu bewerten.
Ich bin selbstständig und habe vor einem Jahr mit meinem Vater eine kleine Firma gegründet. Meine Mitarbeiter sind eher wenig aber alle hochmotiviert und sehr teamsfähig. Es gibt nur einen, den sich irgendwie in den Team nicht ganz integriert. Ich habe einen Psychologe konsultiert, den ich auf psycheplus.de gefunden habe, weil ich erfahren möchte, wie man als Geschäftsführerin die potenzielle Fähigkeiten einer Person rechtmäßig pushen bzw. fördern kann. Ich bin mir sicher, dass diese Person nicht unfähig ist, sondern dass er halt null Erfahrung und Selbstvertrauen hat (dies wär seine erste Arbeitsstelle, der Junge ist 23), was genau für diese Stelle sehr wichtig ist.
Jedoch habe ich online einige Verfahren/Tests betrachtet, über die ich bezweifle, ob sie für einen Mitarbeiter erlaubt sind, denn ich finde sie zu persönlich. z.B. der Big Five Persönlichkeitstest.
Na, was meint ihr?
Vielen Dank und liebe Grüße,
Silvana

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Hi Silvana,

Deine Frage ist eindeutig im Personalbereich und nicht im Sozialbereich anzusiedeln, daher sind wir sicherlich nicht die richtigen Ansprechpartner, v.a. nicht, wenn es sich um gesunde und fest Angestellte dreht. M.E. solltest Du da nochmals mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht reden, um da nichts falsches zu machen.

Einige Artikel habe ich jedoch gefunden, in denen deutlich wird, dass psychologische Tests vom Arbeitgeber nur sehr eingeschränkt erlaubt sind (was m.E. auch logisch ist, denn Du erlebst Deine Mitarbeiter ja bei der Arbeit, das sollte reichen, oder?):

Welt: Wenn der Arbeitgeber mit dem Psychologen kommt.

oder

sehr ausführlich und nur von Abonnenten lesbar!
Der Betrieb: Der psy­cho­lo­gi­sche Test im Be­trieb.

Alles Gute!


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Nachtrag:
Eventuell ist es hier auch sinnvoller, mit einem Coach darüber zu sprechen, wie Du Deinen Mitarbeiter ein wenig "pushen" kannst.

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Hi

noch eine sehr strenge und ausführliche Einschätzung des Themas der Hans-Böckler-Stiftung (also eher gewerkschaftsnah und daher für Betriebsräte sicherlich interessant):

Arbeitsmedizinische Untersuchungen in Unternehmen:
„ein heißes Eisen“
.

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