Was bedeutet "Verhinderungspflege"?

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Wenn Sie einen kranken Angehörigen pflegen, haben Sie auch ein Recht auf Verhinderungspflege (auch "Pflegeurlaub" genannt). Das heißt, Sie können eine vorübergehende Pflegehilfe bzw. eine Ersatz-Pflegeperson für zuhause anfordern, wenn Sie selbst aufgrund von eigener Krankheit, Reha oder Erholungsurlaub eine Auszeit benötigen.

Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten einer Ersatzpflege für maximal vier Wochen je Kalenderjahr. Ein Splitting in mehrere Zeiteinheiten ist dabei möglich.
Das heißt: Die Verhinderungspflege kann auch in mehreren Teilzeiträumen und auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Für Tage, an denen die Verhinderungspflege nicht mindestens acht Stunden erbracht wird (die so genannte „stundenweise Verhinderungspflege" bei eigenen Arztbesuchen, Besorgungen, Kurse etc.), erfolgt keine Anrechnung auf die Höchstdauer von 28 Tagen im Jahr.

Geregelt sind die Anspruchsvoraussetzungen und die Höhe der Leistungen im Sozialgesetzbuch XI, § 39.
Seit dem 1. Januar 2013 gilt der Anspruch auch für die Pflegestufe 0.

In der Praxis müssen Sie die Verhinderungspflege bei der zuständigen Pflegeversicherung beantragen. Der Antrag kann dabei formlos, telefonisch oder schriftlich erfolgen.
Hier finden Sie ein Musterschreiben für einen Antrag auf Verhinderungspflege. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, die Anträge so früh wie möglich zu stellen. Denn erst wenn die Pflegeversicherung Ihren Antrag genehmigt hat, werden die Kosten übernommen.

Wichtig!
Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht erst, nachdem die Pflegeperson den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat.

Quellen und weitere Informationen:

Apotheken-Umschau 09/12
Bundesministerium für Gesundheit: Verhinderungspflege/Urlaubsvertretung - Wer pflegt, wenn die Pflegeperson im Urlaub oder krank ist?
www.verhinderungspflege-zuhause.de

Siehe hierzu auch folgenden Beitrag im Sozialblog:
Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz: Die kleine Pflegereform...