Zahlt meine Krankenkasse immer, wenn ich den Notarzt gerufen habe?

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Grundsätzlich bezahlt Ihre Krankenkasse die Notfalleinsätze - vorausgesetzt, dass Sie ins Krankenhaus zur weiteren Behandlung eingeliefert wurden. Daran ändert sich auch nichts, falls Sie nach einer kurzen ambulanten Behandlung wieder nach Hause entlassen werden.

Falls eine ärztliche Behandlung zuhause ausgereicht hat, erhalten Sie im Nachhinein vom Notarzt eine Rechnung. Diese können Sie dann bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Normalerweise wird Ihre Krankenkasse auch die Rechnung bezahlen. Ausnahmen bilden jedoch eindeutige Bagatell-Erkrankungen, für die ein Notfalleinsatz nicht notwendig gewesen wäre.

Quelle: VITAL 11/2013, Seite 48

4 Kommentare

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Auch wenn es die theoretische Möglichkeit gibt, daß man den Einsatz selbst zahlen muß, so würde ich immer dazu raten den Notarzt lieber einmal zuviel als einmal zuwenig zu rufen.

Nach meiner Erfahrung sind die Notärzte sehr locker mit Notfällen, die sich dann doch als nicht so schwer erweisen.

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Danke für die Erfahrungen! Ich würde das genauso machen!

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Ich habe ein wenig gegoogelt und einige weitere Informationen gefunden.

Grundsätzlich hängen die Kosten für einen Notfalleinsatz - auch wenn sie von der Krankenkasse beglichen werden - stark von der Regelung in den einzelnen Gemeinden und Bundesländern ab.

Vom Bundesgerichtshof wiederum wurde diese Frage sehr streng geregelt:
"...Die Bundesrichter aber urteilten streng formal und auf Grundlage von § 60 Sozialgesetzbuch V. ... Der Gesetzgeber wollte den Krankenkassen die Anfahrten nur auflasten, wenn sie „zwingend erforderlich“ sind. In der Logik der Paragrafen sind sie das, wenn die Fahrt ein Ziel hat: das Krankenhaus. ..."

Oder anders ausgedrückt:

"... Nach dem Gesetz und höchstrichterlicher Rechtsprechung ist ein Krankentransport ein Krankentransport, wenn eine Fahrt vorliegt - ins Krankenhaus. Sonst handelt es sich um eine ,Leerfahrt`. Die Kassen müssen dann nur die Kosten der Behandlung übernehmen. Ob eine Kasse doch zahlt, liegt an ihrer Kulanz. ..."

In der Praxis schaut es glücklicherweise etwas anders aus:
"... Manche Kassen in NRW regeln dieses Problem schon heute im Sinne der Patienten. AOK-Regionalleiter Dieter Hillemacher: „Wir lassen uns das Notfallprotokoll schicken und prüfen, ob der Einsatz medizinisch erforderlich war.“ Bei grobem Eigenverschulden zahle die Kasse allerdings nicht. ..."

Quelle 1) WAZ:Ärger über Rechnung für Notarzt-Einsatz in Mülheim.

In der Praxis heißt das auf jeden Fall:
Lieber einmal zuviel als zuwenig den Notruf betätigen. Denn wenn Sie in gutem Glauben und in der subjektiv akuten Not einen Notarzt rufen, wird Ihre Krankenkasse auch die Kosten übernehmen!

Weitere Ratschläge zum Notfalleinsatz finden Sie u.a. hier. In dem u.a. Artikel empfiehlt die Unabhängige Patientenberatung (UPD) auch, wie Sie im Notfall vorgehen sollten:

ihre vorsorge: 112 und dann?.

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Hier noch weitere Informationen zum Urteil des Bundesozialgerichts 2008:

https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/klartext/notruf-112.html

... zitiert:

"

Urteil Bundessozialgericht zu `Leerfahrten`

Zum Problem der Leerfahrten gibt es ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 6. November 2008. Dabei ging es um eine Frau, die starke Brustschmerzen und Schmerzen und Schwierigkeiten beim Atmen hatte. Das veranlasste ihre Mutter dazu, wegen eines Herzinfarkt-Verdachts den Rettungsdienst anzurufen. Auch der Notarzt hielt einen Herzinfarkt für möglich. Die Patientin lehnte es jedoch ab, sich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus bringen zu lassen. Daraufhin lehnte die Krankenkasse die Übernahme der Rettungswagenkosten ab. Zu Recht, wie das Bundessozialgericht befand. Im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gebe es keinen Passus, nach dem auch Beförderungsfahrten gezahlt werden müssen, die gar nicht stattgefunden haben (Aktenzeichen B 1 KR 38/07 R). Deshalb blieb die Frau in diesem Fall auf den Kosten sitzen.

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Eine bundeseinheitliche Regelung zu solchen Leerfahrten gibt es nicht. `Das wird von Ländern und Kommunen regional unterschiedlich gehandhabt`, erklärt Claudia Widmaier vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Grundsätzlich müsse eine gesetzliche Krankenkasse für die Kosten einer Leerfahrt im Rahmen eines Notarzt-Einsatzes jedenfalls nicht aufkommen.

Denn nach § 60 SGB V werden Fahrkosten nur dann übernommen, wenn sie in Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung stehen. Und diese habe bei einer Leerfahrt ja gar nicht stattgefunden. Von daher könne es dazu kommen, dass die Versicherten eine solche Leerfahrt selbst bezahlen müssen."