Mein Kind ist krank! Wie lange kann ich bei der Arbeit freimachen?

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Diese Frage ist leider nicht pauschal zu beantworten. Schon vor einiger Zeit veröffentlichten wir dazu einen Beitrag zu dem Thema.

Aufgrund eines neues Urteils des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt nehmen wir das Thema noch einmal auf, um manches noch einmal detaillierter zu erläutern.

a) Normalerweise können Sie als gesetzlich versichertes Elternteil für die Pflege Ihres kranken Kindes zehn Tage pro Kind und Jahr - bei mehr als zwei Kindern maximal 25 Tage - bei Lohnfortzahlung von der Arbeit wegbleiben. Das gilt für den Vater genauso wie für die Mutter. Alleinerziehende können 20 Tage pro Kind und Jahr, maximal 50 Tage Sonderurlaub für die Krankenpflege ihrer Kinder nehmen - sofern Ihr Arbeitgeber nicht den Paragraphen § 616 des BGB ausgeschlossen hat!

Dies gilt übrigens auch eingeschränkt für Angestellte im Öffentlichen Dienst, die privat krankenversichert sind. Hier entscheidet der Tarifvertrag (siehe hierzu auch das neue Urteil des BAG in Erfurt, dort wurde im betreffenden Tarifvertrag die Dauer von fünf Abwesenheitstagen mit Lohnfortzahlung anerkannt).

b) Hat Ihr Arbeitgeber im Arbeitsvertrag diesen Paragraphen § 616 des BGB jedoch ausgeschlossen, so können Sie zwar  nach Absprache freinehmen, um Ihr Kind wieder gesund zu pflegen. Lohnfortzahlung gibt es in diesem Fall jedoch nicht.

Falls Sie jedoch gesetzlich versichert sind und Ihr Kind noch unter zwölf Jahren ist, haben Sie stattdessen unter gewissen Umständen Anspruch auf (Kinder-)Krankengeld. In diesem Fall müssen folgende Bedingungen gegeben sein:
- Es muss laut ärztlichem Zeugnis notwendig sein, dass der Arbeitnehmer  wegen der Beaufsichtigung oder Pflege seines erkrankten und versicherten Kind bei der Arbeit fehlt (siehe auch Paragraf 45 des Sozialgesetzbuches V)
- Zudem darf keine andere Person im Haushalt leben, die sich um das Kind kümmern kann.

Achtung!
Sollten Sie privat versichert sein, haben Sie leider keinen Krankengeldanspruch während der Pflege des erkrankten Kindes, erst recht nicht, wenn Ihr Kind selbst auch privat versichert ist. Ist Ihr Kind z.B. durch eine Familienversicherung bei Ihrem Ehepartner gesetzlich versichert, dann ist ein gewisser Krankengeldanspruch wieder gegeben - in der Regel jedoch nur bei dem gesetzlich versicherten Ehepartner. Sie sollten in so einem Fall unbedingt mit beiden Krankenversicherungen sprechen.

Weitere Informationen finden Sie in dem ausführlichen Beitrag zum Thema "Kinderkrankengeld".

Quellen:
www.aerztezeitung.de: Kind krank - fünf Tage bezahlte Freistellung für Pflege
Hamburger Morgenpost vom 6. August 2014 "Kind ist krank - das sind Ihre Rechte"