Krankheit und Sterben...

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... liegt manchmal sehr eng nebeneinander!

In solchen Fällen ist es gut (in meinen Augen sogar bitter notwendig), einen Arzt zu haben, der nicht nur fachlich auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und erfahren ist. Genauso wichtig ist die Fähigkeit des Arztes, seinen todkranken Patienten als gleichwertiges und mündiges Gegenüber zu achten - und dabei mit diesem empathisch und gleichzeitig ehrlich zu kommunizieren.

Als Angehörige höre und erlebe ich in den letzten Monaten und Wochen, dass es leider immer noch viel zu wenige solcher Ärzte gibt. Gerade in den fachlich und technisch am besten ausgestatteten Universitäts-Kliniken hakt es öfter am Menschlichen als in so manchen - eher profanen - Kreiskrankenhäusern. Ich sehe und erlebe mit, wie Missverständnisse entstehen durch zu kurze Arzt-Patienten-Gespräche, wie Inhalte der Arztberichte verschwiegen werden, wie schlechte Prognosen umschifft werden und wie sich ein Mensch, der um sein (würdiges) Leben und um Linderung kämpft, allein gelassen fühlt von den Menschen, auf die er hofft. Ich erlebe, wie ein Mensch resigniert, kämpft... und verzweifelt nach dem Hoffnungsschimmer am Horizont sucht, der ihm noch bleiben könnte.

Dies alles ist kein Thema der "Zwei-Klassen-Medizin". Als Privatpatient liegt man vielleicht in einem Einbett-Zimmer und hat allerlei Vorzüge, aber die Angst und die Not nimmt einem niemanden.

Warum ich dies schreibe?
Vielleicht als Erklärungsversuch dafür, dass im Dezember kein Beitrag geschrieben werden konnte. Und gleichzeitig als Zeichen "Es gibt uns noch, aber es ist aktuell nicht leicht!".

In diesem Sinne:
Wir werden hier ab sofort wieder mehr schreiben, auch wenn Krankheit und Sterben weiterhin ein wichtiges Thema sein wird... und für mich als Angehörige die Angst vor DEM Anruf immer realistischer wird. Und ich habe gleichzeitig am meisten Angst davor, dass ich irgendwann nur noch Erleichterung empfinden könnte, wenn ich diesen Anruf entgegennehme. Erleichterung darüber, dass das Leiden eines Todkranken ein Ende hat. Zu gern aber würde ich der Hoffnung wieder mehr Raum geben!


3 Kommentare

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So etwas wie in diesem Beitrag denke ich mir auch immer.
Was nützt eine bevorzugte Behandlung, wenn es mir keine (Lebens)freude mehr bringt. Ist es wirklich besser immer mit nem Rettungstuch von Krankenbett zu Krankenbett transportiert werden oder sollten Ärzte dann auch mal einsehen, wann es genug ist.

Grüsse
Tini

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Ja, leider ist es oft so.

Bei meinem Vater wurde noch zwei Tage vor seinem Tod etliche Untersuchungen verordnet, inkl. CT, MRT etc. Es war eine Tortur für ihn - aber die Freundin schaffte es nicht, sich zu widersetzen.

Wobei der verordnende Hausarzt einfach nicht akzeptieren wollte, dass es so schlimm war - obwohl die Onkologin da schon sehr deutliche Worte fand...

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... oft sind es aber auch nicht die Ärzte, die es nicht einsehen, sondern die Verwandten, Freunde, teilweise der Sterbende selbst, weil er hofft, weil einfach nicht sterben, sondern kämpfen will. Es hilft sicherlich nicht, immer nur die Mediziner anzugreifen.Eine offene Debatte über diese Themen wäre um einiges sinnvoller anstatt das Motto "Über Sterben spricht man nicht" als Gesetz über alles zu stellen!